Binance unter Beschuss: Bericht legt gezielten Angriff auf Margin-System nahe

Graph mit Crash

Am 11. Oktober erlebte die Krypto-Börse Binance einen der heftigsten Einbrüche der letzten Monate. Wie jetzt herauskommt, geschah das möglicherweise nicht durch Zufall. Laut einer Analyse von Wu Blockchain könnte es sich vielmehr um einen gezielten Angriff auf das Unified-Margin-System der Börse gehandelt haben.

Im Blickpunkt stehen die Assets USDE, wBETH und BnSOL, die in einem kurzen Zeitfenster drastisch abgewertet wurden. Während USDE auf 0,65 US-Dollar fiel, stürzte wBETH auf nur 0,20 US-Dollar ab, BnSOL gar auf 0,13 US-Dollar.

Auslöser war offenbar eine Schwachstelle im Margin-System von Binance, das sogenannte Ertrags-Coins, also etwa durch Staking oder Lending generierte Token, als Sicherheit akzeptierte. Diese Praxis ermöglichte es Angreifern laut Wu Blockchain, bestimmte Assets gezielt zu manipulieren.

Die Preisanomalien führten zu Kaskaden-Liquidationen, da viele Positionen zwangsweise aufgelöst wurden. Die betroffenen Assets verzeichneten innerhalb von 24 Stunden ein Spot-Volumen von 3,5 bis 4 Milliarden US-Dollar, die realisierten Verluste könnten laut Schätzungen zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde US-Dollar liegen.

Strukturelle Mängel bei Binance offengelegt

Der Angriff fiel genau in das Zeitfenster zwischen der Ankündigung einer Preisdatenanpassung am 6. Oktober und deren Implementierung am 14. Oktober. Analysten vermuten, dass diese Lücke gezielt genutzt wurde. Während andere Plattformen wie Aave ihre Preisorakel stabil hielten und so größere Schäden verhinderten, basierte Binance bei der Bewertung der Sicherheiten auf eigenen Spotpreisen.

Ein zusätzlicher Faktor war demnach das 12%-Renditeprogramm von Binance für USDE, das Nutzer zu rekursivem Lending ermutigte. Diese Hebelwirkung verstärkte den Druck auf das System.

Parallelen zum LUNA-Debakel: Wiederholung eines bekannten Musters?

Der Vorfall erinnert in vielerlei Hinsicht an den Zusammenbruch des LUNA-UST-Systems im Jahr 2022. Damals wie heute spielten nicht-fiatbasierte Stablecoins eine Rolle. Analyst Mindaoyang sieht hier einen Zusammenhang: Sobald Plattformen solche Assets mit hoher Besicherungsquote zulassen, droht demnach ein Dominoeffekt, vor allem wenn Arbitrage-Möglichkeiten eingeschränkt sind. Die Verwendung von Marktkursen aus Orderbüchern für Margin-Bewertungen sei laut Wu Blockchain hochproblematisch. Liquidationsorakel müssten stattdessen harte Preisuntergrenzen definieren, um derartige Szenarien zu vermeiden.

Auch aus dem Conflux-Netzwerk kommen kritische Stimmen: Ein leitender Mitarbeiter bezeichnete die Ereignisse als strukturelle Offenbarung. Seiner Einschätzung nach habe ein gezielter Exploit die Schwachstellen des Binance-Systems offengelegt und eine Kettenreaktion ausgelöst, die sämtliche Handelsbereiche der Plattform in Mitleidenschaft zog.

Neben den betroffenen Altcoins verzeichneten auch Bitcoin und andere große Kryptowährungen spürbare Verluste. Coin-margined Positionen litten unter dem doppelten Druck aus sinkenden Kursen und der Abwertung der Sicherheiten.

Ob Binance für die Schäden aufkommen muss, ist noch unklar. Zumindest aber dürfte der Vorfall den Druck auf die Börse und andere zentralisierte Plattformen erhöhen, ihre Risikomanagementsysteme grundlegend zu überdenken.

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