Ethereum Foundation in Kritik: Doch jetzt kommt ETH Labs

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Ethereum stand zuletzt nicht nur wegen des schwachen ETH-Kurses unter Beobachtung, sondern auch wegen der Diskussion um die Rolle der Ethereum Foundation. Die Stiftung ist seit 2014 eine zentrale Non-Profit-Organisation im Ethereum-Ökosystem. Sie finanziert Forschung, Protokollentwicklung, Grants, Sicherheitsarbeit und öffentliche Infrastruktur, versteht sich aber nicht als „Firma hinter Ethereum“.

Genau daraus entsteht seit Jahren ein Spannungsfeld: Einerseits soll Ethereum neutral, dezentral und glaubwürdig unabhängig bleiben. Andererseits fordern viele Investoren, Builder und Institutionen mehr Tempo, mehr Produktfokus und eine klarere Wachstumsstrategie.

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Zuletzt wurde diese Debatte schärfer. Kritisiert wurden unter anderem wiederholte ETH-Verkäufe der Foundation, weil diese am Markt oft als negatives Signal gelesen werden. Die EF hat deshalb eine Treasury Policy veröffentlicht, die Verkäufe, operative Reserven und Ausgaben stärker regelbasiert erklären soll.

Ziel sind unter anderem 2,5 Jahre operative Reserve und sinkende jährliche Ausgaben über die kommenden Jahre. Gleichzeitig begann die Stiftung 2026, rund 70.000 ETH zu staken, damit Staking-Erträge künftig einen Teil der Finanzierung tragen können.

Dazu kamen Personaldebatten. Mehrere erfahrene Ethereum-Foundation-Mitglieder und Forscher verließen 2026 Vollzeitrollen oder wechselten in andere Strukturen. Beobachter sahen darin eine Führungs- und Koordinationskrise, während Unterstützer argumentierten, Ethereum bewege sich bewusst in eine „Multi-Node“-Zukunft, in der nicht mehr alles über die Foundation laufen soll. Die neue EF-Mandate stellte im März 2026 nochmals klar, dass die Foundation vor allem Zensurresistenz, Open Source, Privatsphäre und Sicherheit schützen will – also Ethereum-Kerneigenschaften statt aggressiver Business-Development-Politik.

ETH Labs: Neue Organisation soll Ethereum schneller in die Adoption bringen

Genau in dieses Umfeld fällt nun der Start von Ethlabs. Laut Ankündigung handelt es sich um ein unabhängiges, gemeinnütziges Forschungs- und Entwicklungslabor für Ethereum und ETH. Besonders relevant ist dabei, dass Ethlabs von ehemaligen Ethereum-Foundation-Forschern aufgebaut wird. Berichtet werden unter anderem Ansgar Dietrichs, Barnabé Monnot, Caspar Schwarz-Schilling, Josh Rudolf und Julian Ma als Gründer beziehungsweise zentrale Köpfe. Damit entsteht keine beliebige neue Krypto-Organisation, sondern ein Spin-out aus genau jenem technischen Kern, der Ethereum über Jahre mitgeprägt hat.

Die Mission ist bewusst offensiver formuliert als die klassische EF-Rolle: Ethereum soll zur Settlement-Schicht der globalen Wirtschaft werden. Gemeint ist damit, dass Ethereum nicht nur eine Smart-Contract-Plattform für Krypto-Nutzer bleibt, sondern als neutrale Basisinfrastruktur für digitale Werte, Märkte, DeFi, Institutionen, Wallets, Layer-2-Netzwerke und künftig auch autonome Agenten dient. Ethlabs positioniert sich damit zwischen Protokollforschung und realer Nutzung. Die Organisation will mit Nutzern, Apps, Wallets, L2s, Infrastrukturteams, Institutionen, ETH-Haltern, Core-Entwicklern und Forschern sprechen und daraus konkrete Protokollarbeit, Standards, Infrastruktur und Produkte ableiten.

Wichtig ist die strategische Arbeitsteilung. Die Ethereum Foundation zieht ihren Auftrag enger: Schutz der Kernprinzipien, Forschung, Sicherheit, langfristige Neutralität. Ethlabs soll dagegen stärker dort ansetzen, wo Markt, Nutzer und Entwickler konkrete Engpässe sehen. Dazu gehören Skalierung, DeFi-Infrastruktur, institutionelle Anforderungen, bessere Standards und Produkte, die Ethereum tatsächlich in größere Nutzungswellen bringen können. Damit könnte Ethlabs eine Lücke schließen, die Kritiker der EF seit Monaten benennen: Ethereum hat zwar tiefe technische Substanz, aber oft zu wenig koordinierte Umsetzung in Richtung Adoption.

Unterstützt wird Ethlabs laut eigener Darstellung von einer breiten Koalition aus DeFi-Builders, Core-Entwicklern, Layer-2-Gründern, Investoren, Institutionen und Forschern. Genannt wurden unter anderem BitMine, SharpLink und Ethereum-Mitgründer Joe Lubin sowie mehr als 50 weitere Unterstützer.

Für ETH ist das deshalb spannend, weil hier zwei Narrative zusammenlaufen. Erstens bleibt die Ethereum Foundation der neutrale Hüter des Protokolls. Zweitens entsteht mit Ethlabs eine schlankere, dringendere Organisation, die Wachstum, DeFi, institutionelle Nutzung und ETH als zentrales Asset offensiver vorantreiben will.

Genau das könnte dem Ökosystem helfen, die Kritik der vergangenen Monate produktiv zu wenden: weniger Abhängigkeit von einer Foundation, mehr spezialisierte Akteure und ein klarerer Fokus darauf, Ethereum nicht nur technisch überlegen, sondern auch wirtschaftlich relevanter zu machen.

Ethereum Foundation legt neuen Ausführungsplan vor

Derweil konkretisiert die Ethereum Foundation ihre eigene Neuausrichtung. Nach der Kritik der vergangenen Monate will die Stiftung nicht einfach größer, lauter oder marktnäher werden, sondern ihren Auftrag präziser ausführen. Bastian Aue, interimistischer Executive Director der Ethereum Foundation, veröffentlichte dazu einen sechsteiligen Plan. Im Mittelpunkt stehen MEV, Privacy, Vergütung, Staking, Spin-outs und der Umgang mit Personalabgängen. Besonders wichtig: Die EF behandelt MEV nicht mehr nur als technisches Randproblem, sondern als strukturelle Gefahr für Ethereum.

Gemeint sind etwa privilegierter Orderflow, kartellartige Builder-Strukturen, vertrauensabhängige Relays und eine zu starke Auslagerung der Validatoren an wenige Infrastrukturakteure. Genau das könnte die Neutralität von Ethereum untergraben.

Zweitens soll Privacy stärker zur Grundeigenschaft werden. Aue argumentiert, dass ein öffentliches Ledger ohne starke Privatsphäre schnell zur Überwachungsinfrastruktur mit Settlement-Funktion werde. Deshalb sollen Datenschutz, selektive Offenlegung, Auditierbarkeit und Compliance-Logik künftig besser zusammengedacht werden.

Drittens will die Foundation selbst stärker „Ethereum-native“ arbeiten: Gehälter und größere Finanzbeziehungen sollen zunehmend in ETH oder Ethereum-nativen Stablecoins abgewickelt werden. Das ist auch ein Signal an den Markt: Die EF will die Infrastruktur, die sie verbessern möchte, selbst nutzen. Nach früherer Kritik an Treasury-Verkäufen und den jüngsten Abgängen soll dieser Plan zeigen, dass die Foundation fokussierter, disziplinierter und näher an Ethereums Kernversprechen arbeiten will.

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Zuletzt aktualisiert am 23. Juni 2026

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Martin SchwarzExperte für Kryptowährungen

Martin, mit einem MSc. in Wirtschaftsinformatik und Fokus auf asymmetrischer Kryptographie und M2M-Kommunikation, ist seit 2015 in der Welt von Bitcoin und Kryptowährungen unterwegs. Schon mit 17 begann er mit dem Handel von Kryptowährungen und erwarb seinen ersten Bitcoin. Neben seinem Interesse an Kryptowährungen widmet er sich in seiner Freizeit Online-Casinos und Sportwetten, wo er mit 18 Blackjack-Strategien entwickelte und sogenannte Sure-Bets durchführte. Seine Expertise dokumentierte er frühzeitig als Autor zu Themen wie Kryptowährungen, Trading, Aktien, Casinos und Sportwetten, wodurch er heute als gefragter Experte und Autor mit über 10 Jahren Erfahrung gilt.

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