
American Bitcoin, das Bitcoin-Mining- und Treasury-Unternehmen der Trump-Söhne Eric und Donald Jr., hat einen 1:15-Reverse-Split angekündigt, um die Mindestnotierungsanforderung der Nasdaq zu erfüllen. Die Aktie war am Mittwoch auf ein Rekordtief von 0,64 US-Dollar gefallen – ein Rückgang von mehr als 64 Prozent seit Jahresbeginn.
Doch bei genauerem Hinsehen ist der Schritt weit mehr als eine technische Formalität. Er offenbart strukturelle Schwächen eines Unternehmens, das erst wenige Monate nach seiner Börsennotierung um seine Existenz auf dem US-Leitindex kämpft – und damit ein wachsendes Problem im gesamten Bitcoin-Treasury-Sektor symbolisiert.
Der Reverse-Split im Detail: Was sich ändert und was nicht
Laut einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens tritt der Reverse-Split zum Börsenschluss am Donnerstag in Kraft. Ab Montag wird die Aktie unter dem bestehenden Ticker ABTC auf bereinigter Basis gehandelt. Die Aktionäre hatten den Schritt bereits auf der Hauptversammlung am 22. Juni 2026 genehmigt.
Konkret werden je 15 Anteile der Klasse A und B in eine einzige Aktie umgewandelt. Das reduziert die ausstehenden Aktien von rund 1,09 Milliarden auf approximately 73 Millionen Stück – bestehend aus etwa 24 Millionen Klasse-A- und 49 Millionen Klasse-B-Anteilen. Bruchteilsaktien werden nicht ausgegeben; stattdessen erhalten betroffene Aktionäre eine Barauszahlung über den Transferagenten Continental Stock Transfer & Trust Company.
Wichtig für Anleger: Die genehmigten Gesamtaktien und der Nennwert bleiben unverändert. Der Split ändert die Unternehmenssubstanz nicht – er erhöht lediglich den nominalen Kurs, damit der Mindestbietwert von 1 US-Dollar der Nasdaq wieder erfüllt wird.
Kurssturz und operative Lage: Ein schwieriges Bild
Der Split kommt keine zwei Monate nach der Veröffentlichung eines Quartalsverlust von 81,8 Millionen US-Dollar für das erste Quartal 2026, der überwiegend auf unrealisierte Verluste aus dem Bitcoin-Bestand zurückgeht. Operativ lieferte das Unternehmen dennoch solide Zahlen: Im Q1 wurden rekordverdächtige 817 Bitcoin geschürft und weitere 803 BTC für die Treasury erworben.
Zum Ende des ersten Quartals hielt American Bitcoin 7.021 BTC in der Bilanz; inzwischen ist der Bestand laut Daten von BitcoinTreasuries auf 7.500 BTC gewachsen, was das Unternehmen zum sechzehnten größten börsennotierten Bitcoin-Halter weltweit macht. Das Problem: Bitcoin selbst hat seit Jahresbeginn 30 Prozent an Wert verloren und notiert mehr als 50 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.000 US-Dollar aus dem Oktober letzten Jahres. Eine Treasury-Strategie, die auf steigenden BTC-Preisen beruht, steht damit unter erheblichem strukturellen Druck.

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Warnsignal oder Einzelfall? Der Reverse-Split als Symptom
In der Finanzwelt gilt ein aggressiver Reverse-Split als klassisches Warnsignal. Ein Verhältnis von 1:15 liegt dabei deutlich über dem, was Unternehmen in gesunder Verfassung vornehmen würden – und er kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der ABTC-Kurs bereits tief in Penny-Stock-Territorium vorgedrungen war. Marktbeobachter bei The Block ordnen die Maßnahme als typisch für Unternehmen ein, die einen Delistingprozess abwenden müssen, ohne die zugrundeliegenden operativen Probleme zu lösen.
Genau deshalb fiel die Aktie am Tag der offiziellen Genehmigung um rund 6 Prozent – die Investoren sahen keinen fundamentalen Kurswechsel, sondern ein kosmetisches Mittel. Der Reverse-Split hebt zwar den nominalen Kurs an, ändert aber nichts an der Marktkapitalisierung und dem Preisrisiko des Bitcoin-Bestands.
Das Phänomen ist dabei kein Einzelfall im Sektor. Im Mai kündigte David Baileys Bitcoin-Treasury-Unternehmen Nakamoto einen noch drastischeren 1:40-Reverse-Split an, nachdem die NAKA-Aktie auf ein Tief von 0,14 US-Dollar gefallen war. Damit zeigt sich eine strukturelle Schwäche im gesamten Bitcoin-Treasury-Modell, wenn die zugrundeliegende Reserve-Kryptowährung unter Druck steht.
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Politischer Kontext: Wachsender Druck auf Trump-Kryptoprojekte
Die Split-Genehmigung fiel zeitlich mit einem weiteren Belastungsfaktor zusammen: Einen Tag zuvor forderten US-Senatoren Anhörungen zu World Liberty Financial (WLFI), dem anderen Krypto-Projekt der Trump-Familie. Der politische Gegenwind um Trump-nahe digitale Vermögenswerte verstärkt sich damit auf breiter Front, was die Stimmung rund um ABTC zusätzlich belastet.
Für Anleger ist die entscheidende Frage nun, ob American Bitcoin nach dem 6. Juli – dem ersten Handelstag auf bereinigter Basis – durch steigende Bitcoin-Preise oder verbesserte Quartalsergebnisse eine echte Kursbasis aufbauen kann. Sollte Bitcoin seinen Abwärtstrend fortsetzen oder regulatorische Entwicklungen rund um WLFI eskalieren, wird auch ein höherer Nominalpreis keinen nachhaltigen Boden bilden.
Zuletzt aktualisiert am 2. Juli 2026



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