Der Kryptomarkt zeigte zuletzt erneut deutliche Schwäche. Bitcoin notiert weit unter seinem Rekordhoch, während zahlreiche Altcoins noch stärkere Verluste verkraften mussten. Gleichzeitig bewegen sich die großen Aktienindizes trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer weiterhin vergleichsweise nahe an ihren Höchstständen. Diese Entwicklung unterstreicht die klare Underperformance digitaler Assets in den vergangenen Monaten.
Genau darin könnte jedoch eine antizyklische Chance liegen. Während viele Anleger Krypto derzeit meiden, hält Fundstrat-Mitgründer Tom Lee das Verhältnis von möglichem Ertrag zu Risiko bis zum Jahresende für besonders attraktiv. Als entscheidende Kurstreiber nennt er die Tokenisierung, regulatorische Fortschritte in den USA und die Verbindung zwischen künstlicher Intelligenz und Blockchain.
Weiterlesen: Die besten Krypto Presales 2026
Tom Lee sieht drei potenzielle Kurstreiber für Krypto
Tom Lee argumentiert, dass der Kryptomarkt bis zum Jahresende eines der attraktivsten Chancen-Risiko-Profile bieten könnte. Seine These basiert weniger auf der kurzfristigen Charttechnik als auf drei strukturellen Entwicklungen, die in den kommenden Monaten zusätzliches Kapital in den Sektor lenken könnten.
Crypto is one of the best risk/rewards into year-end given:
– Wall Street focused on tokenization
– Clarity Act
– crypto is a downstream story of AI$ETH https://t.co/toO6vvGX8O— Thomas (Tom) Lee (not drummer) FundstratDirect.com (@fundstrat) July 24, 2026
Der erste Treiber ist die zunehmende Tokenisierung an der Wall Street. Dabei werden klassische Vermögenswerte wie Aktien, Staatsanleihen, Fondsanteile oder private Kredite digital auf einer Blockchain abgebildet. Große Finanzhäuser arbeiten inzwischen an entsprechenden Produkten und Infrastrukturen. Besonders relevant ist, dass die DTCC gemeinsam mit Banken und Vermögensverwaltern die Tokenisierung etablierter Wertpapiere testet. Dadurch könnte Blockchain-Technologie stärker in die Abwicklung traditioneller Finanzgeschäfte integriert werden. Für Ethereum wäre dies grundsätzlich positiv, da das Netzwerk bereits eine wichtige Rolle bei Stablecoins und tokenisierten Vermögenswerten spielt. Allerdings bedeutet Tokenisierung nicht automatisch steigende ETH-Kurse. Entscheidend bleibt, welche Netzwerke tatsächlich genutzt werden und ob dadurch eine direkte Nachfrage nach dem jeweiligen Token entsteht.
Als zweiten Kurstreiber nennt Lee den CLARITY Act. Das Gesetz soll in den USA klarer festlegen, wann digitale Vermögenswerte als Wertpapiere oder digitale Rohstoffe gelten und welche Zuständigkeiten SEC und CFTC besitzen. Mehr Rechtssicherheit könnte Banken, Fonds und Unternehmen den Einstieg erleichtern, weil regulatorische Risiken besser kalkulierbar würden. Zuletzt gab es im Senat Fortschritte bei umstrittenen Ethikregeln. Für eine endgültige Verabschiedung werden jedoch weiterhin ausreichend Stimmen beider Parteien benötigt. Der politische Durchbruch ist somit möglich, aber keineswegs garantiert.
Der dritte Punkt ist Lees Aussage, Krypto sei eine nachgelagerte Geschichte des KI-Booms. Gemeint ist, dass autonome KI-Agenten künftig digitale Identitäten, programmierbare Zahlungen und weltweit verfügbare Abrechnungssysteme benötigen könnten. Blockchains und Stablecoins wären dafür grundsätzlich geeignet, weil Maschinen rund um die Uhr Werte übertragen und Transaktionen automatisiert ausführen könnten. Die Verbindung befindet sich allerdings noch in einer frühen Phase. Wissenschaftliche Untersuchungen warnen deshalb davor, langfristiges Potenzial bereits mit breiter kommerzieller Nutzung gleichzusetzen.
Zusätzlichen Optimismus liefern laut dem geteilten Beitrag Positionierungen am Ethereum-Optionsmarkt. Ein starkes Interesse an höheren Ausübungspreisen kann zeigen, dass professionelle Marktteilnehmer mit einer Erholung rechnen. Optionsdaten sind jedoch nicht eindeutig bullisch, da Kontrakte ebenfalls zur Absicherung oder im Rahmen komplexer Strategien eingesetzt werden. Insgesamt nennt Lee reale strukturelle Fortschritte. Eine schnelle Trendwende garantieren sie dennoch nicht: Kurzfristig bleiben Nachfrage, Liquidität und das makroökonomische Umfeld entscheidend.
Krypto Prognose: Anzeichen für Trendwende bei Bitcoin
Trotz des weiterhin intakten Bärenmarkts zeigen sich bereits erste Hinweise darauf, dass Bitcoin gegenüber traditionellen Anlageklassen wieder an relativer Stärke gewinnt. Besonders deutlich wird dies, wenn Aktien und Gold nicht in US-Dollar, sondern in Bitcoin bewertet werden. Genau diese Perspektive hebt der Bitcoin-Finanzdienstleister Swan hervor. Demnach haben der S&P 500 und Gold seit Juli 2020 einen erheblichen Teil ihres Wertes gegenüber Bitcoin verloren – und das trotz des zwischenzeitlichen Bitcoin-Kurseinbruchs von rund 50 Prozent.
WOW: Since July 2020, Bitcoin has stripped roughly 30% per year from the S&P 500’s and gold’s value.
Yes, this is even AFTER a 50% Bitcoin drawdown.
Price the S&P 500 and gold in Bitcoin, then calculate their rolling 4-year moving averages to crush the cycle noise.
Since July… pic.twitter.com/0NWMKYmreI
— Swan (@Swan) July 25, 2026
Auf Basis gleitender Vierjahresdurchschnitte sank der in Bitcoin gemessene Wert des S&P 500 laut Swan um knapp 88 Prozent. Bei Gold beträgt der Rückgang sogar rund 89 Prozent. Daraus ergibt sich rechnerisch ein jährlicher Wertverlust von ungefähr 30 Prozent gegenüber Bitcoin. Die Aussage ist jedoch mit Vorsicht zu betrachten: Der gewählte Startzeitpunkt liegt vor einer besonders starken Bitcoin-Hausse, während gleitende Durchschnitte aktuelle Wendepunkte nur verzögert abbilden.
Dennoch unterstreichen die Daten einen wichtigen langfristigen Trend. Während Aktienindizes und Gold nominal neue Höchststände erreichten, konnten sie mit Bitcoins Wertentwicklung über mehrere Jahre nicht Schritt halten. Sollte sich Bitcoin nun stabilisieren und wieder Kapital aus klassischen Märkten anziehen, könnte die jüngste Schwächephase rückblickend als erste Akkumulationszone einer neuen relativen Aufwärtsbewegung erscheinen.
Mehr erfahren: Neue Kryptowährungen für 2026 im Überblick
Zuletzt aktualisiert am 26. Juli 2026


Fragen und Antworten
Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.