
Ein Hobbyist hat am 9. Juli 2026 mit einem Gerät im Wert von rund 150 US-Dollar die gesamte Bitcoin-Block-Belohnung von 3,1382 BTC – umgerechnet etwa 200.000 US-Dollar – für sich allein beansprucht und dabei industrielle Mining-Farmen mit hunderttausenden Spezialrechnern schlicht übertrumpft. Was sich liest wie ein modernes Märchen, ist statistisch gesehen ein Ereignis, dessen Eintreten Analysten auf eine Wartezeit von durchschnittlich 16.000 bis 18.300 Jahren taxieren.
Doch genau das ist die eigentümliche Logik des Bitcoin-Minings: Jeder Hash hat dieselbe Chance, den aktuellen Block zu lösen – unabhängig davon, wer ihn erzeugt. Dieser Grundsatz macht das Protokoll zum wohl demokratischsten Glücksspiel der Finanzwelt.
Block #957382: Was in einer einzigen Nacht geschah
Laut dem Bericht von Bitcoin.com News (Autor: Jamie Redman) löste der Miner Block #957382 um etwa 03:30 UTC über den Dienst Public Pool, einen Pool, der im Solo-Modus vollständig auf Gebühren verzichtet. Das verwendete Gerät, ein sogenanntes Bitaxe, lief rund acht Stunden mit einer durchschnittlichen Hashrate von 995,2 GH/s – nahe am Nenn-Wert von 1 TH/s – bevor es den entscheidenden Share mit einer Difficulty von 294,14 Billionen einreichte, mehr als doppelt so hoch wie das Netzwerkziel.
Weil der Miner als einziger Worker auf der verwendeten Bitcoin-Adresse registriert war, floss die gesamte Belohnung – bestehend aus der Block-Subvention von 3,125 BTC zuzüglich rund 0,0132 BTC an Transaktionsgebühren – ohne Abzüge an eine einzige Person. Zum Zeitpunkt der Auszahlung stand Bitcoin bei rund 63.000 US-Dollar.
Was ein Bitaxe ist – und warum es trotzdem gewann
Das Bitaxe ist ein quelloffener, handflächengroßer Bitcoin-Miner, der auf dem Bitmain BM1370-Chip basiert – demselben Silizium, das auch in einigen industriellen Antminer-S21-Einheiten zum Einsatz kommt. Die Gamma-Serie liefert laut Primärquelle zwischen 1,0 und 1,3 TH/s, verbraucht dabei lediglich 15 bis 21 Watt und kostet im Handel zwischen 60 und 150 US-Dollar. Hobbyisten entwickelten das Gerät ursprünglich als Lernwerkzeug und Bildungsprojekt, nicht als Profitmaschine.

Zum Vergleich: Das Gesamtnetzwerk wies zum Zeitpunkt des Ereignisses eine Hashrate von rund 874 Exahash pro Sekunde (EH/s) bei einer Difficulty von etwa 133,9 Billionen auf. Ein einzelnes Terahash kontrolliert damit laut Primärquelle ungefähr ein Siebenundachtzigstel-Millionstel der globalen Rechenkapazität. Dass ausgerechnet dieses Gerät in einer einzigen Nachtsession traf, illustriert eindrücklich, wie Machtkonzentration im Bitcoin-Netzwerk und statistische Gleichheit eben zwei verschiedene Dinge sind.
Der Erfolg ist kein völliger Einzelfall. Die Tracking-Plattformen Soloblocks.io und D-Central.tech dokumentieren Solo-Block-Wins von Open-Source-Hardware seit Block #853,742 im Jahr 2024. Dies ist nach Angaben der Primärquelle bereits der zweite bestätigte Public-Pool-Solo-Win, der auf ein einzelnes Bitaxe-Gerät zurückgeführt werden kann.
Lotterie oder legitime Strategie? Der analytische Blick
Der erwartete tägliche Ertrag eines 1-TH/s-Geräts liegt in BTC-Begriffen bei Bruchteilen eines Cents. Wer auf konsistente Einnahmen aus ist, kommt an Poolmining nicht vorbei – die Mining-Industrie kämpft ohnehin unter schwierigen Marktbedingungen. Solo-Mining mit einem Bitaxe ist und bleibt ein Lotterieschein, kein Geschäftsmodell.
Genau deshalb ist der eigentliche Nachrichtenwert dieses Ereignisses kein finanzieller, sondern ein struktureller: Bitcoins Proof-of-Work-Protokoll kennt keine Mindestgröße. Jeder gültige Hash – egal ob er aus einem 150-Dollar-Gerät auf dem Schreibtisch oder aus einem Rechenzentrum mit Megawatt-Verbrauch stammt – hat dieselbe Chance, den nächsten Block zu finden. Wer argumentiert, Bitcoin-Mining sei ausschließlich ein Spiel der Großen, muss sich an Block #957382 messen lassen.

In der Community auf X verbreitete sich die Meldung unter den Hashtags #Bitaxe und #SoloMining rasant. Ein viel geteilter Post fasste die Stimmung zusammen: „Never let anyone convince you that you can’t mine a block!!!“ – und brachte damit auf den Punkt, was dieser Fund für die Heimminer-Szene bedeutet.
Was das für den Markt und Heimminer bedeutet
Für den operativen Betreiber von Block #957382 verwandelten sich Hardware im Wert von 150 US-Dollar und eine monatliche Stromrechnung von schätzungsweise 1 bis 2 US-Dollar innerhalb von weniger als einem Tag in eine lebensverändernde Auszahlung. Sollten Bitcoin-Kurse weiter steigen – wofür es durchaus optimistische Szenarien gibt – würde eine vergleichbare Belohnung künftig noch wertvoller ausfallen.
Gleichzeitig dürfte die steigende Netzwerk-Difficulty die statistischen Hürden mittelfristig weiter erhöhen. Was bleibt, ist das Prinzip: Bitcoin toleriert jeden Teilnehmer – ob er nun 150 Dollar oder 15 Millionen Dollar investiert hat.
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