Ethereum Prognose: Krypto-Autor sicher – der Markt bewertet ETH falsch

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Ethereum zeigt sich nach seinem Allzeithoch deutlich angeschlagen. Auf die starke Rallye folgte eine massive Korrektur, in deren Verlauf der Kurs zeitweise rund 50 Prozent nachgab. Auch aktuell notiert Ethereum noch etwa 40 Prozent unter dem Rekordniveau. Positive Impulse blieben zuletzt aus, stattdessen rutschte der Kurs erneut unter die Marke von 3.000 US-Dollar.

Trotz dieser Schwäche mehren sich jedoch Stimmen unter Analysten, die von einer strukturellen Fehlbewertung des Netzwerks sprechen. Der bekannte Krypto-Autor William Mougayar veröffentlichte jetzt eine umfassende Analyse:

Krypto-Experte: Ethereum als öffentliches Gut

Der Krypto-Autor William Mougayar argumentiert dabei, dass Ethereum systematisch fehlbewertet wird, weil es mit den falschen Maßstäben beurteilt werde. Seit dem Start des Netzwerks dominieren vereinfachte Bewertungsmodelle die Debatte. Ethereum wird mit Unternehmen verglichen, anhand von Cashflows, Gebühreneinnahmen oder Token-Knappheit taxiert oder in Ranglisten gegen andere Layer-1-Blockchains gestellt. Nach Mougayar greifen all diese Ansätze zu kurz, weil sie das Wesen von Ethereum verkennen.

Ethereum ist weder ein Unternehmen noch ein Produkt, das darauf ausgelegt ist, maximale Erlöse aus seinen Nutzern zu ziehen. Es handelt sich um eine grundlegende Infrastruktur. Mougayar ordnet Ethereum deshalb klar als öffentliches Gut ein. Öffentliche Güter erzeugen enormen wirtschaftlichen Nutzen, ohne diesen direkt abzuschöpfen. Straßen, GPS, offene Internetprotokolle oder wissenschaftliches Wissen bilden die Basis für ganze Wirtschaftszweige, tauchen aber nur begrenzt in klassischen Bewertungsmodellen auf.

Genau hier sieht Mougayar die Parallele zu Ethereum. Das Netzwerk fungiert als globale Vertrauens- und Abwicklungsschicht. Es ermöglicht wirtschaftliche Koordination ohne zentrale Instanzen, senkt Betrugsrisiken und reduziert systemische Unsicherheiten. Darauf aufbauend entstehen neue Finanzmodelle, digitale Identitäten, Governance-Strukturen und Geschäftslogiken.

Märkte tun sich traditionell schwer mit solchen Strukturen. Werte, die aus Netzwerkeffekten, externen Nutzen und langfristiger Systemstabilität entstehen, werden häufig erst spät erkannt. Wie beim Internet oder GPS erscheint Ethereum daher heute unterbewertet, gerade weil seine Rolle als unverzichtbare Infrastruktur noch nicht vollständig im Preis reflektiert ist.

eth

Mougayar arbeitet mit drei Bewertungsebenen, um die Dimension öffentlicher Güter greifbar zu machen. Erstens die direkt bepreiste Ebene: Börsennotierte Internet- und Tech-Unternehmen bündeln heute etwa 20 bis 30 Billionen US-Dollar an Marktwert. Zweitens der messbare Wirtschaftsfluss: Der internetabhängige Teil der Weltwirtschaft lässt sich als Infrastruktur mit rund 100 bis 200 Billionen US-Dollar kapitalisieren. Drittens der nicht bepreiste Wohlfahrtsgewinn durch kostenlose digitale Dienste, der weitere 70 bis 150 Billionen US-Dollar rechtfertigt. Selbst konservativ ergibt sich so ein gesellschaftlicher Gesamtwert des Internets von 100 bis 300 Billionen US-Dollar.

Ethereum als globale Abwicklungsschicht

Der Ansatz von William Mougayar setzt bei der Architektur von Ethereum an. Das Netzwerk wurde gezielt dafür entworfen, globale Koordination zu ermöglichen, Vertrauen zu minimieren und Abwicklung programmierbar zu machen. Anders als klassische Plattformen unterliegt Ethereum keiner zentralen Kontrolle und folgt keinem extraktiven Geschäftsmodell. Es agiert als neutrale, dezentrale Infrastruktur, deren Zweck nicht Gewinnmaximierung, sondern Verlässlichkeit und Offenheit ist.

ethereum

Strukturell gleicht Ethereum einem mehrschichtigen ökonomischen System. Die Basisschicht stellt Sicherheit, finalen Settlement-Konsens und den globalen Zustand bereit. Darauf bauen Rollups als Ausführungsebene auf, die Skalierung und hohe Transaktionsdichte ermöglichen. Darüber liegt die Anwendungsschicht mit DeFi, DAOs, Identität, NFTs oder Gaming. Eine vierte Ebene bildet sich zunehmend durch institutionelle Nutzung – Stablecoins, tokenisierte Vermögenswerte, Fondsstrukturen oder Unternehmensbilanzen. Jede Ebene ist vollständig von der darunterliegenden abhängig, ähnlich wie digitale Dienste auf Internetprotokollen beruhen.

Aus dieser Struktur leitet Mougayar ab, warum klassische Bewertungskennzahlen zu kurz greifen. Der ökonomische Wert von Ethereum entsteht nicht primär durch Gasgebühren oder Staking-Erträge, sondern durch die wirtschaftliche Aktivität, die auf dieser Infrastruktur aufsetzt. Vergleichbar mit dem Internet, dessen Wert nicht in HTTP-Paketen gemessen wird, sondern in der gesamten digitalen Wirtschaft, ist Ethereum die programmierbare Abwicklungsschicht der globalen Onchain-Ökonomie.

In einem ersten, bereits sichtbaren Bewertungsrahmen erfasst der Markt heute vor allem die „eingefangenen Werte“: die Marktkapitalisierung von ETH sowie Bewertungen von Layer-2-Netzwerken, DeFi-Protokollen und Infrastrukturprojekten. Dieses Segment beziffert Mougayar grob auf 600 bis 900 Milliarden US-Dollar. Er vergleicht diese Phase mit dem Internet der Mitte der 1990er-Jahre – ein kleiner, sichtbarer Ausschnitt, während der eigentliche systemische Wert noch weitgehend unbepreist bleibt.

„Dies ist nicht die Marktkapitalisierung von ETH. Es handelt sich um den wirtschaftlichen Wert von Ethereum-the-System, analog zur Bewertung des „Internets“ anstelle der Bewertung von „Internetunternehmen“. Es ist jedoch nicht undenkbar, dass die Marktkapitalisierung von ETH im Laufe der Zeit den Wert von Ethereum widerspiegeln könnte.“

ETH

Warum der Markt Ethereum falsch bewertet

Die vorliegenden Zahlen zeigen, dass Ethereum keine spekulative Euphorie benötigt, um Bewertungen im Billionenbereich zu rechtfertigen. Innerhalb eines Public-Goods-Rahmens sind solche Größenordnungen keine Übertreibung, sondern eine logische Konsequenz. Ethereum sichert, koordiniert und betreibt eine globale Vertrauensinfrastruktur, deren ökonomischer Nutzen weit über klassische Erlösmodelle hinausgeht, so der Autor. ETH fungiert dabei nicht als Unternehmensbeteiligung, sondern als verbindendes Gut dieser öffentlichen Infrastruktur.

Genau hier setzt die strukturelle Fehlbewertung an. Märkte tun sich traditionell schwer mit öffentlicher Infrastruktur, Vertrauen, Neutralität und langfristigen Netzwerkeffekten. Ethereum vereint all diese Eigenschaften. Seine Umsätze unterschätzen seine Bedeutung, die Token-Logik verschleiert seine systemische Rolle, und die starke Layer-2-Ebene verdeckt die Abhängigkeit von der Basisschicht.

Ethereum ist daher kein Unternehmen, sondern globale Infrastruktur. Sein Wert bemisst sich nicht an Gebühren, sondern an gesicherten Kapitalflüssen, ersetztem Vertrauen und institutioneller Abhängigkeit.

„Das Internet hat Informationen neu organisiert. Ethereum wird Werte neu organisieren. Aus diesem Grund ist die zukünftige Bewertung von Ethereum, gemessen in Billionen, nicht ambitioniert. Sie ist unvermeidlich.“

So überzeugend die Argumentation rund um Ethereum als öffentliches Gut auch sein mag, sie löst ein zentrales Problem nicht automatisch. Hoher gesellschaftlicher oder ökonomischer Nutzen bedeutet nicht zwangsläufig, dass daraus direkt Wert für ETH-Halter entsteht. Beim Internet zeigt sich genau diese Diskrepanz: Die Infrastruktur selbst ist unbezahlbar, partizipiert wird jedoch primär über einzelne Unternehmen, nicht über das Internet als solches. Auch bei Ethereum besteht dieses Spannungsfeld. Entscheidend bleibt, ob sich die wachsende Bedeutung des Netzwerks dauerhaft in einer steigenden Nachfrage nach ETH niederschlägt.

Zuletzt aktualisiert am 24. Dezember 2025

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Daniel RobrechtExperte für Kryptowährungen

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Durch gezielte Weiterbildungen an internationalen Hochschulen hat er sich ein umfangreiches Wissen rund um die Kapitalmärkte, Aktien, Kryptowährungen und Decentralized Finance angeeignet. Auch im Privatleben gibt es für ihn keinen Tag ohne die Finanzmärkte.

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