Krypto-Börse mit großer Vision: Binance will USA, dann Super-App

Binance bleibt trotz zahlreicher Rückschläge die weltweit führende Kryptobörse nach Handelsvolumen und verfügt weiterhin über enorme Liquidität, eine globale Nutzerbasis und ein breites Produktangebot. Doch die vergangenen Jahre waren von regulatorischen Konflikten geprägt. In den USA zahlte Binance 2023 einen milliardenschweren Vergleich; Binance.US verlor anschließend Kunden, Liquidität und Marktanteile.

Auch in Europa folgte zuletzt ein Rückschlag: Binance zog seinen MiCA-Antrag in Griechenland zurück und besitzt aktuell noch keine EU-weite Zulassung. Dennoch will der Konzern wieder offensiver wachsen. Neben einem Comeback in den USA plant Binance den Umbau von der reinen Handelsplattform zu einer umfassenden Finanz- und Zahlungs-App.

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Binance.US plant das große Comeback auf dem amerikanischen Markt

Binance.US will nach einer rund zweijährigen Phase der Stagnation wieder zu einem bedeutenden Wettbewerber im amerikanischen Kryptomarkt werden. CEO Stephen Gregory bezeichnete die vergangenen Jahre als eine Art „Winterschlaf“, der maßgeblich durch die regulatorischen Probleme der internationalen Binance-Gruppe ausgelöst worden sei. Obwohl Binance.US rechtlich und operativ als eigenständige, ausschließlich für amerikanische Kunden lizenzierte Gesellschaft auftritt, teilt die Plattform den Markennamen und wirtschaftliche Eigentümer mit Binance.com.

Entsprechend belasteten die Verfahren gegen den globalen Konzern auch das Vertrauen in die US-Tochter.

Vor den regulatorischen Auseinandersetzungen soll Binance.US zeitweise rund 20 Prozent des amerikanischen Kryptobörsenmarktes kontrolliert haben. Genau auf dieses Niveau möchte Gregory langfristig zurückkehren. Dafür setzt die Plattform zunächst auf aggressive Gebühren. Die Maker-Gebühr wurde auf null Prozent reduziert, während für Taker nach Angaben des Unternehmens lediglich zwei Basispunkte anfallen. Mit diesen Konditionen will Binance.US insbesondere aktive Händler zurückgewinnen und neue Liquidität anziehen. Zusätzlich setzt das Management auf Bonusprogramme, direkte Kundenansprache und einen vergleichsweise schlanken Kostenapparat.

Mittelfristig soll das Angebot deutlich über den Spot-Handel hinausgehen. Binance.US erwägt zusätzliche Lizenzen, um künftig auch Derivate, Perpetual Futures und möglicherweise Prognosemärkte anbieten zu können. Hinzukommen könnten Verwahrungsdienstleistungen als weitere Einnahmequelle. Damit würde Binance.US direkter mit Coinbase und Kraken konkurrieren.

Binance will zur globalen Krypto-Super-App werden

Parallel zum US-Comeback verfolgt Binance eine wesentlich umfassendere Wachstumsstrategie. Die Plattform möchte künftig nicht mehr nur als Handelsplatz für Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen wahrgenommen werden. Stattdessen soll eine sogenannte Super-App entstehen, die Handel, Zahlungsverkehr und weitere Finanzdienstleistungen innerhalb eines einzigen Ökosystems verbindet.

Shunyet Jan, bei Binance für den Spot- und Derivatehandel verantwortlich, erklärte, dass die nächste Wachstumsphase stärker von Zahlungen und Finanzdienstleistungen als vom klassischen Kryptohandel getragen werden könnte. Der zentrale Treiber dieser Entwicklung sind Stablecoins. Diese werden zunehmend nicht nur als Handelswährung auf Börsen genutzt, sondern auch für Überweisungen, internationale Zahlungen und die digitale Aufbewahrung von Dollarwerten.

Genau hier sieht Binance einen erheblich größeren adressierbaren Markt. Während die Zahl aktiver Kryptotrader begrenzt bleibt, benötigen weltweit Milliarden Menschen Zahlungs-, Spar- und Investmentdienstleistungen. Besonders relevant ist das Konzept für Schwellenländer, in denen Bankkonten, internationale Überweisungen oder der Zugang zu ausländischen Finanzprodukten häufig teuer oder nur eingeschränkt verfügbar sind.

Binance hat sein Angebot deshalb bereits um Zahlungsfunktionen, Kartenlösungen, tokenisierte Aktien, börsengehandelte Produkte und weitere Finanzdienste erweitert. Langfristig sollen Nutzer ihre Kryptowährungen handeln, Stablecoins versenden, Zahlungen durchführen und auf unterschiedliche Anlageklassen zugreifen können, ohne die Binance-App verlassen zu müssen.

Für Binance bedeutet der Strategiewechsel zugleich eine breitere Ertragsbasis. Die Abhängigkeit von Handelsgebühren würde sinken, während Zahlungen, Verwahrung, Kartenumsätze und Finanzprodukte neue Einnahmequellen eröffnen könnten. Allerdings steigt damit auch die regulatorische Komplexität. Gerade der fehlende MiCA-Status zeigt, dass die Super-App-Vision nur dort vollständig umgesetzt werden kann, wo Binance die notwendigen Bank-, Zahlungs- und Kapitalmarktlizenzen erhält.

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Zuletzt aktualisiert am 15. Juli 2026

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Martin SchwarzExperte für Kryptowährungen

Martin, mit einem MSc. in Wirtschaftsinformatik und Fokus auf asymmetrischer Kryptographie und M2M-Kommunikation, ist seit 2015 in der Welt von Bitcoin und Kryptowährungen unterwegs. Schon mit 17 begann er mit dem Handel von Kryptowährungen und erwarb seinen ersten Bitcoin. Neben seinem Interesse an Kryptowährungen widmet er sich in seiner Freizeit Online-Casinos und Sportwetten, wo er mit 18 Blackjack-Strategien entwickelte und sogenannte Sure-Bets durchführte. Seine Expertise dokumentierte er frühzeitig als Autor zu Themen wie Kryptowährungen, Trading, Aktien, Casinos und Sportwetten, wodurch er heute als gefragter Experte und Autor mit über 10 Jahren Erfahrung gilt.

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