
Die US-Regierung hat am 13. Juli 2026 nahezu 3.941 Bitcoin im Wert von rund 250 Millionen US-Dollar zu Coinbase Prime transferiert – und damit eine zentrale Frage aufgeworfen: Handelt es sich um eine administrative Umstrukturierung staatlicher Bestände, oder bereitet Washington einen gezielten Marktverkauf vor?
Laut Daten von Arkham Intelligence stammten die Bewegungen aus Wallets, die dem US-Staat zugerechnet werden. Genau diese Ungewissheit macht den Transfer für Bitcoin-Investoren hochrelevant – denn staatliche Verkäufe in dieser Größenordnung können den Markt kurzfristig unter Druck setzen.
Woher stammen die transferierten Bitcoin?
Den mit Abstand größten Posten stellte ein Transfer von rund 2.875 BTC dar, den Arkham Intelligence den sogenannten „Ryan Farace Seized Funds“ zuordnet. Farace, auch bekannt als „Xanaxman“, und sein Vater versuchten laut Staatsanwaltschaft, aus Drogenhandel stammende Bitcoin zu waschen. Bundesbehörden beschlagnahmten 2021 insgesamt 2.874,90 BTC sowie weitere 58,74 BTC in einem separaten Vorgang.

Der zweitgrößte Transfer umfasste etwa 926 BTC, klassifiziert als „BTC-e Seized Funds“. Die Kryptobörse BTC-e operierte von 2011 bis zu ihrer Schließung durch Strafverfolgungsbehörden im Jahr 2017 und soll laut dem US-Justizministerium mehr als 9 Milliarden US-Dollar in Transaktionen verarbeitet haben – darunter Erlöse aus Hacking, Ransomware und Drogenhandel. Ein weiterer Transfer von rund 140 BTC rundete die Gesamtbewegung auf 3.941 BTC ab.
Zusätzlich wurden etwa 30.007 Ether aus einem Wallet bewegt, das Arkham mit „Brian Krewson Confiscated Funds“ verknüpft. Eine Zivilklage des Justizministeriums behauptete, Krewson habe Wallets mit Kryptowährungen verwaltet, die zwei inhaftierten Verdächtigen gehörten – gegen Krewson selbst wurde keine Anklage erhoben.
Bestätigt der Transfer einen Verkauf?
Der Transfer zu Coinbase Prime allein beweist noch keinen Verkauf. Coinbase Prime wurde im Juli 2024 vom US Marshals Service als Dienstleister für Custody und institutionelles Trading ausgewählt – die Plattform erfüllt damit sowohl Verwahrungs- als auch Handelsfunktionen gleichzeitig. Ein Verkauf würde eine offizielle Behördenmitteilung, ein Verwertungsprotokoll oder identifizierbare Transaktionen zu Käufern erfordern.

Für die Farace-Bestände existiert allerdings ein konkreter rechtlicher Vorlauf: Ein im Januar 2024 veröffentlichter Einziehungsbescheid kündigte die Absicht der Regierung an, rund 2.933,64 BTC aus dem Farace-Verfahren zu veräußern. Dieser Bescheid eröffnete auch eine Frist für Dritte, rechtliche Interessen am eingezogenen Vermögen geltend zu machen. Rechtliche Verfügungsbefugnis und ein tatsächlich ausgeführter Verkauf sind jedoch zwei verschiedene Dinge.
Laut Arkham Intelligence kontrollieren US-Regierung nahestehende Wallets insgesamt rund 328.225 BTC – zum Zeitpunkt des Transfers mehr als 20 Milliarden US-Dollar wert. Damit gehört Washington zu den größten bekannten Bitcoin-Haltern weltweit. Eine Analyse der größten Bitcoin-Adressen verdeutlicht, wie dominant staatliche Beschlagnahmebestände in der globalen BTC-Verteilung geworden sind.
Analyst hebt Transfer öffentlich hervor
Alex Thorn, Head of Research bei Galaxy Digital, machte die Transaktionen auf X publik, nachdem sie in den Arkham Intelligence Daten auftauchten. Seine Erwähnung lenkte dabei breitere Aufmerksamkeit auf die On-Chain-Aktivität der Regierung.

Vergleichbare Dynamiken sind aus dem institutionellen ETF-Markt bekannt: Auch dort lösen große Transfers zu Coinbase Prime regelmäßig Spekulationen aus, bevor sich herausstellt, ob es sich um Käufe, Verkäufe oder interne Umschichtungen handelt – wie etwa bei BlackRocks ETF-Transfers über Coinbase Prime.
Risiken und Gegenargumente
Das zentrale Risikoszenario: Wenn die transferierten Bitcoin tatsächlich zum Verkauf freigegeben worden wären, würde das – angesichts der Größenordnung von rund 250 Millionen US-Dollar – potenziell kurzfristigen Verkaufsdruck erzeugen.
Gleichzeitig bleibt die Gegenthese stark: Die strukturelle Einbindung von Coinbase Prime als offiziellem Custody-Partner des US Marshals Service spricht dafür, dass viele dieser Transfers routinemäßige Verwaltungsschritte sind. Solange kein Behördenbescheid oder nachweisbarer Abfluss aus Coinbase Prime in Richtung Liquiditätspools folgt, fehlt der entscheidende Beweis für einen Marktverkauf. Die US-Bitcoin-Politik zeigt zudem, dass der institutionelle Rahmen für staatliche BTC-Bestände zunehmend auf langfristige Verwahrung ausgelegt ist.
Fazit: Entscheidend ist die nächste On-Chain-Bewegung
Der Transfer von 3.941 BTC zu Coinbase Prime ist ein klar marktrelevantes Ereignis – aber kein Beweis für einen Verkauf. Ob die Bitcoin tatsächlich liquidiert werden, entscheidet sich an einem konkreten Datenpunkt: einer identifizierbaren Weiterbewegung aus Coinbase Prime heraus oder einer offiziellen Mitteilung des US Marshals Service.
Bleibt beides aus, dürfte der Transfer als administrative Konsolidierung in die Geschichte eingehen. Kommt dagegen ein Behördenbescheid oder ein weiterer On-Chain-Abfluss in Richtung Börsen-Hotwallets, wäre das das eigentliche Signal – und ein potenzieller kurzfristiger Belastungsfaktor für den BTC-Preis.
Hier weiterlesen: Die interessantesten Coin Launches für 2026
Zuletzt aktualisiert am 14. Juli 2026





Fragen und Antworten
Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.