Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz könnte den Finanzsektor stärker verändern als bisher angenommen. Laut Brian Armstrong, CEO der Kryptobörse Coinbase, steht die Welt möglicherweise kurz davor, dass mehr Transaktionen von KI-Agenten als von Menschen durchgeführt werden.
Seine Aussage sorgte in der Kryptobranche für Aufmerksamkeit, da sie auf eine grundlegende Schwäche des traditionellen Bankensystems hinweist: Banken sind bislang ausschließlich für menschliche Nutzer oder Unternehmen konzipiert.
Banken sind für Menschen gebaut und nicht für Maschinen
Armstrong argumentiert, dass klassische Bankkonten für KI-Systeme praktisch nicht zugänglich sind. Banken verlangen bei der Kontoeröffnung umfangreiche Identitätsprüfungen im Rahmen der sogenannten KYC-Regeln (Know Your Customer).
Dabei müssen Kunden unter anderem ihren Namen, eine offizielle Identifikation, eine Adresse sowie weitere persönliche Daten angeben.
Brian Armstrong posted this today:
"Very soon there are going to be more AI agents than humans making transactions."
"They can't open a bank account, but they can own a crypto wallet. Think about it."
Here's what he's getting at:
Banks require KYC. Know Your Customer. You… https://t.co/W9vXTWrQs0 pic.twitter.com/ipDOEuV8Ut
— Milk Road (@MilkRoad) March 9, 2026
KI-Agenten erfüllen jedoch keine dieser Voraussetzungen. Sie besitzen weder eine physische Identität noch eine Adresse oder Ausweisdokumente. Damit können sie im klassischen Bankensystem nicht als wirtschaftliche Teilnehmer auftreten.
Das Problem liegt laut Armstrong nicht darin, dass Banken künstliche Intelligenz bewusst ausschließen. Vielmehr basiert die Architektur des Bankensystems auf der Annahme, dass jeder wirtschaftliche Akteur ein Mensch oder ein Unternehmen mit menschlicher Kontrolle ist.
Mit der zunehmenden Verbreitung autonomer Software-Agenten könnte diese Annahme jedoch zunehmend an Bedeutung verlieren.
Krypto-Wallets ermöglichen neue wirtschaftliche Teilnehmer
Während Banken für KI-Agenten kaum nutzbar sind, sieht Armstrong in Kryptowährungen eine mögliche Lösung.
Eine Blockchain-Wallet kann innerhalb von Sekunden erstellt werden und benötigt keine Identitätsprüfung. Entscheidend ist lediglich ein privater Schlüssel, der den Zugriff auf das Wallet ermöglicht.
Coinbase hat bereits im Februar sogenannte „Agentic Wallets“ vorgestellt. Diese digitalen Wallets können direkt von Software-Systemen erzeugt und genutzt werden.
Ein KI-Agent kann damit selbstständig Zahlungen senden, empfangen oder digitale Vermögenswerte verwalten – ganz ohne menschliche Identität.
Damit entsteht erstmals ein Finanzsystem, in dem auch nicht-menschliche Teilnehmer eigenständig wirtschaftlich handeln können.
Auch Binance-Gründer sieht massive KI-Zahlungen
Armstrong ist mit dieser Einschätzung nicht allein. Am selben Tag äußerte auch Changpeng Zhao, ehemaliger CEO der Kryptobörse Binance, eine ähnliche Prognose.
Seiner Ansicht nach könnten KI-Agenten künftig sogar bis zu eine Million Mal mehr Zahlungen durchführen als Menschen.
Er verwies dabei auf technische Entwicklungen im Blockchain-Bereich, etwa ein Upgrade der BNB Chain. Dieses ermöglicht es autonomen Programmen, Transaktionen auszuführen, ohne selbst Gas-Token halten zu müssen.
Solche Innovationen könnten die Grundlage für eine neue Art von digitaler Wirtschaft schaffen, in der Maschinen eigenständig Dienstleistungen bezahlen, Ressourcen kaufen oder Daten handeln.
Eine neue Wirtschaft zwischen Maschinen
Die Aussagen der beiden Krypto-CEOs zeigen eine mögliche Entwicklung des Finanzsystems: Während das traditionelle Bankwesen auf menschliche Identitäten angewiesen ist, können Blockchain-Systeme auch von Software genutzt werden.
Sollten sich KI-Agenten tatsächlich massenhaft im digitalen Handel etablieren, könnten Kryptowährungen zu einer zentralen Infrastruktur für diese neue Wirtschaft werden.
Denn ein privater Schlüssel reicht aus, um Teil des Systems zu sein – unabhängig davon, ob es sich um einen Menschen oder eine Maschine handelt.
Zuletzt aktualisiert am 10. März 2026


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