Krypto News: Coinglass-Report zeigt – der alte Markt ist verschwunden

Krypto

Der Kryptomarkt war über viele Jahre vor allem ein Spielfeld für Privatanleger. Early Adopter, Trader und spekulative Retail-Investoren prägten Volatilität, Narrative und Kursbewegungen. Hohe Renditechancen gingen dabei stets mit hohen Risiken einher, doch genau diese Dynamik machte den Markt für viele attraktiv. Dieses Umfeld hat sich jedoch grundlegend verändert. Der Kryptomarkt ist erwachsen geworden.

Der „alte“ Markt, wie ihn viele Anleger aus den Boom- und Bust-Zyklen der vergangenen Jahre kennen, existiert in dieser Form kaum noch.

Eine neue Studie von CoinGlass https://www.coinglass.com/learn/2025-annual-report-en zeigt, dass sich die Kräfteverhältnisse verschieben: Institutionelle Investoren übernehmen zunehmend die Kontrolle über Liquidität, Marktstruktur und Preisbildung.

Institutionelle Derivate prägen den Markt

Nach Einschätzung der Analysten aus einer aktuellen CoinGlass-Studie markierte das Jahr 2025 einen strukturellen Wendepunkt für den Kryptomarkt – insbesondere im Bereich börsengehandelter Derivate. Während 2024 vor allem als Startjahr der Spot-ETFs in Erinnerung bleibt, stand 2025 ganz im Zeichen der institutionellen Vertiefung. Kapital floss nicht länger nur passiv in Krypto-Exposure, sondern wurde zunehmend aktiv über komplexe Futures- und Arbitragestrategien gesteuert. Damit verlagerte sich die Preisfindung klar in regulierte Märkte, allen voran zur Chicago Mercantile Exchange.

Laut CoinGlass war die Einführung sogenannter Spot-Quoted Futures auf Bitcoin und Ethereum eine der wichtigsten Innovationen. Diese Produkte reduzierten Basisrisiken und Rollkosten deutlich und machten Krypto-Futures erstmals vergleichbar mit etablierten Rohstoffmärkten. Parallel normalisierte sich das sogenannte Basis-Trading: Hedgefonds kauften Spot-Bitcoin oder ETF-Anteile und verkauften gleichzeitig Futures, um risikoneutrale Renditen zu erzielen. Die stark gestiegenen Short-Positionen gehebelter Fonds seien daher kein bärisches Signal, sondern Ausdruck dieser institutionellen Arbitragestrategien, betonen die CoinGlass-Experten.

Derivate

Besonders auffällig war 2025 zudem die Ausweitung der Liquidität über Bitcoin hinaus. Ethereum-Derivate verzeichneten ein überproportionales Wachstum, während neue Futures auf Solana und XRP den Übergang in eine Multi-Asset-Phase einleiteten.

„Lange Zeit fungierte die CME effektiv als Duopolmarkt, der auf BTC und ETH beschränkt war. Dieses Paradigma wurde jedoch im Jahr 2025 durchbrochen. Mit der Einführung von SOL- und XRP-Futures und -Optionen trat die CME offiziell in eine Multi-Asset-Ära ein.“

Mit steigenden Handelsvolumina, Rekord-Open-Interest und wachsender Nutzung von Micro-Kontrakten zeigt sich laut CoinGlass klar: Der Derivatemarkt dient zunehmend als zentrales Bindeglied zwischen traditionellem Finanzsystem und Kryptomarkt.

Optionsmarkt erlebt Machtverschiebung 2025

Nach Einschätzung der Experten wurde derweil der globale Krypto-Optionsmarkt 2025 gleich durch zwei Ereignisse nachhaltig verändert. Zum einen übernahm Coinbase den bislang dominierenden Offshore-Anbieter Deribit für rund 2,9 Milliarden US-Dollar. Damit verschmolzen erstmals tiefgreifende, krypto-native Optionsliquidität und eine vollständig regulierte US-Börseninfrastruktur.

Optionen

Zum anderen stiegen die Optionskontrakte auf den Spot-Bitcoin-ETF BlackRock IBIT zur weltweit größten Quelle für BTC-Options-Open-Interest auf und überholten Deribit bis Ende des dritten Quartals 2025 erstmals.

IBIT Deribit

CoinGlass beschreibt den Markt seither als „Zweispur-System“: Auf der einen Seite stehen krypto-native Plattformen wie Deribit, auf der anderen klassische Finanzvehikel wie ETF-Optionen. Besonders IBIT erwies sich als Katalysator. Institutionelle Investoren, die regulatorisch keinen Zugang zu Offshore-Börsen hatten, nutzten erstmals in großem Stil BTC-Optionen über einen regulierten ETF. Die starke Spot-Basis mit einem verwalteten Vermögen von rund 84 Milliarden US-Dollar verlieh dem Optionsmarkt zusätzliche Stabilität und Tiefe.

Abseits dieser beiden Schwergewichte blieb der Markt stark konzentriert. Die Chicago Mercantile Exchange sowie große Kryptobörsen spielten nur Nebenrollen. Während Bitcoin-Optionen zunehmend von traditionellen Akteuren dominiert werden, bleibt der ETH-Optionsmarkt laut CoinGlass weiterhin fest in der Hand krypto-nativer Anbieter.

„Insgesamt zeigte sich der Markt für Krypto-Optionen im Jahr 2025 stark konzentriert: Krypto-native Plattformen (vertreten durch Deribit) dominierten weiterhin Nicht-ETF-Instrumente wie ETH, während traditionelle Finanzplattformen (vertreten durch IBIT) von hinten aufholten und bei BTC-Optionen die Führung übernahmen. Unter dieser Duopolstruktur werden die Rollen anderer Akteure zunehmend marginalisiert.“

Digital Asset Treasuries als wichtige Käufer

Laut der Coinglass-Studie wurde 2025 zum Durchbruchsjahr für sogenannte Digital Asset Treasuries (DAT). Auslöser war das Inkrafttreten des neuen Rechnungslegungsstandards ASU 2023-08 der Financial Accounting Standards Board, der Unternehmen verpflichtet, bestimmte Kryptoassets zum Fair Value zu bilanzieren. Dadurch wurden digitale Vermögenswerte erstmals bilanziell attraktiv für Unternehmensreserven. DATs verlagern gezielt überschüssige Liquidität aus Cash und Anleihen in Bitcoin, Ethereum oder Solana und behandeln diese als strategische Kernposition.

Nach CoinGlass stiegen die BTC-Bestände börsennotierter DATs 2025 von rund 600.000 auf etwa 1,05 Millionen BTC. Strategy blieb zwar der größte Einzelakteur, doch das Wachstum verlagerte sich zunehmend auf kleinere und mittlere Unternehmen. Trotz sinkender Aktienprämien im vierten Quartal kam es nicht zu Abverkäufen der Bestände. DATs haben sich damit von einem Trend zu einer strukturellen Nachfrageseite entwickelt, deren Risiken weniger im Bitcoin-Preis als in Finanzierung, Governance und Regulierung liegen.

Das Jahr 2025 als Startschuss für die institutionelle Krypto-Ära

Damit dürfte 2025 als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem der Kryptomarkt seine institutionelle Reife erreicht hat. Die Phase eines überwiegend von Retail-Spekulation geprägten Marktes ist endgültig vorbei. An ihre Stelle ist eine neue Marktstruktur getreten, in der regulierte Derivate, ETFs und DATs den Takt vorgeben. Der Derivatemarkt wandelte sich von einem hochgehebelten Spielplatz unregulierter Börsen zu einem zentralen Instrument für Absicherung, Arbitrage und professionelles Risikomanagement.

Warum das langfristig spannend ist: Kapital aus dem traditionellen Finanzsystem fließt gezielter denn je in digitale Assets. Bitcoin-Spot-ETFs, Optionsmärkte mit institutioneller Preisfindung und Digital Asset Treasuries schaffen eine stabile Nachfragebasis. Dies dürfte auch eine starke Grundlage für 2026 sein.

Zuletzt aktualisiert am 30. Dezember 2025

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