Der Prognosemarkt Kalshi hat sich zu einer festen Größe entwickelt und führt gemeinsam mit Polymarket das Marktsegment an. Die Plattform ermöglicht es Marktteilnehmern, Erwartungen zu realen Ereignissen handelbar zu machen – von Inflationsdaten über geldpolitische Entscheidungen bis hin zu politischen Entwicklungen. Kalshi gilt dabei als einer der führenden Anbieter in diesem Segment. Nun folgte die nächste Expansion – denn das Unternehmen startet „Kalshi Research“.
Kalshi startet eigene Research-Einheit
Gestern hat das Unternehmen eine neue Initiative vorgestellt und sein Angebot um Kalshi Research erweitert. Mit diesem Schritt signalisiert Kalshi, dass der Fokus künftig nicht mehr ausschließlich auf dem Handel selbst liegt, sondern auch auf der systematischen Auswertung eigener Marktdaten.
Unter dem Namen Kalshi Research bündelt das Unternehmen künftig seine Aktivitäten rund um Forschung und Datenanalyse im Bereich von Prognosemärkten. Das Ziel ist es, die akademische Auseinandersetzung mit diesem noch jungen Marktsegment gezielt zu fördern. Ähnlich wie bei den Research-Abteilungen von Technologieunternehmen stellt Kalshi ausgewählten Forschern erstmals Zugriff auf interne Plattformdaten zur Verfügung. Dabei handelt es sich nach eigener Aussage um einen der weltweit umfangreichsten und qualitativ hochwertigsten Datensätze zu Prognosemärkten.
Introducing: @KalshiResearch
Kalshi Research will provide internal Kalshi data to academics and other researchers interested in exploring topics related to prediction markets.
The first research piece is live: Kalshi outperforms Wall Street at predicting inflation. pic.twitter.com/lesBFAYojQ
— Kalshi (@Kalshi) December 22, 2025
Begleitend zur Gründung von Kalshi Research veröffentlichte das Unternehmen eine erste eigene Studie. Darin werden Inflationsprognosen aus Kalshi-Märkten mit dem Konsens klassischer Wall-Street-Schätzungen verglichen.
In 1945, Friedrich Hayek outlined the Knowledge Problem that any society faces:
The central economic problem is not resource allocation – it is how to use knowledge that is dispersed among millions of individuals.
He argues that information is fragmented, local, dynamic, and… https://t.co/r7cRoVZoAK
— Tarek Mansour (@mansourtarek_) December 23, 2025
Die Einordnung des Experten verankert Kalshi Research bewusst in einer langen ökonomischen und wissenschaftlichen Tradition. Ausgangspunkt ist das von Friedrich Hayek formulierte Wissensproblem, wonach relevantes Wissen dezentral, fragmentiert und ständig im Wandel ist. Märkte gelten in diesem Denken als effizienter Mechanismus, um dieses verteilte Wissen über Preise zu bündeln. Historische Experimente wie die Iowa Electronic Markets oder interne Prognosemärkte großer Technologieunternehmen bestätigten diese Logik empirisch.
Später zeigte Superforecasting, dass gut organisierte Gruppen von Laien Experten regelmäßig übertreffen können. Kalshi sieht sich nun als nächste Evolutionsstufe: Erstmals werden kollektive Erwartungen über viele gesellschaftliche Bereiche hinweg in Echtzeit aggregiert. Kalshi Research soll diese Daten öffnen und damit auch der Wissenschaft zugänglich machen.
Diese Studie zeigt klaren Vorteil von Prognosemärkten
Die von Kalshi veröffentlichte Studie kommt zu einem klaren Ergebnis: Prognosemärkte liefern bei der Vorhersage von Inflationsdaten nicht nur vergleichbare, sondern in vielen Fällen deutlich bessere Ergebnisse als klassische Konsensschätzungen der Wall Street. Untersucht wurde die Prognosegüte der jährlichen US-Inflation (YOY CPI) über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren – von Februar 2023 bis Mitte 2025.
Im Durchschnitt lagen die Kalshi-Marktpreise rund 40 Prozent näher am tatsächlichen Inflationswert als die aggregierten Schätzungen institutioneller Analysten. Besonders auffällig ist der sogenannte „Shock Alpha“. In Phasen, in denen die tatsächlichen Inflationsdaten stark vom Konsens abwichen, also bei unerwarteten Inflationsschocks, schnitten Prognosemärkte nochmals deutlich besser ab. Bei größeren Abweichungen von mehr als 0,2 Prozentpunkten war der Prognosefehler der Märkte um bis zu 50 Prozent geringer, kurz vor Veröffentlichung sogar um rund 60 Prozent.

Ein weiterer zentraler Befund: Weichen Marktpreise und Konsensschätzungen voneinander ab, erweisen sich die Marktpreise in rund drei Viertel der Fälle als präziser. Ab einer Abweichung von mehr als 0,1 Prozentpunkten signalisierten Prognosemärkte mit über 80 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass ein Überraschungseffekt bevorsteht. Damit liefern sie nicht nur bessere Punktprognosen, sondern auch einen Frühindikator für erhöhte Unsicherheit.
Die Studie führt diese Überlegenheit auf drei Faktoren zurück: eine größere Vielfalt an Informationsquellen, klarere finanzielle Anreize für Genauigkeit und eine effizientere Aggregation verstreuter Daten.
Das Fazit von Kalshi fällt vielversprechend aus:
„Wir dokumentieren eine systematische und wirtschaftlich bedeutsame Outperformance von Prognosen aus Prognosemärkten im Vergleich zum Expertenkonsens, insbesondere bei Schockereignissen, bei denen die Prognosegenauigkeit am wichtigsten ist. Marktbasierte CPI-Schätzungen weisen insgesamt einen um ~40 % geringeren Fehler und in Zeiten großer struktureller Veränderungen einen um bis zu ~60 % geringeren Fehler auf.“
Die aktuellen Ergebnisse markieren dabei erst den Anfang einer breiteren Entwicklung. Prognosemärkte rücken zunehmend in den Fokus von Forschung, Finanzpraxis und Politik, da sie neue Wege eröffnen, kollektive Erwartungen messbar zu machen. Kalshi will diesen Trend gezielt vorantreiben und die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Marktteilnehmern stärken.
Ein sichtbares Signal dafür ist die für März 2026 angekündigte erste Prediction Markets Conference. Dort sollen Forscher, Analysten, Trader und Praktiker zusammenkommen, um neue Studien, methodische Ansätze und praktische Anwendungen zu diskutieren.
Excited to share that we have launched: Kalshi Research
A new academic + policy initiative that gives researchers access to real prediction market data to study forecasting accuracy, market efficiency, and trader behavior.
I am excited to see how this helps economists,… https://t.co/s4I9xckRbf
— Jack Griffin (@jackgriff1n) December 22, 2025
Für den Growth-Spezialisten von Kalshi Jack Griffin ist der Start von Kalshi Research ein logischer Wachstumsschritt innerhalb der langfristigen Strategie des Unternehmens. Der Zugang zu realen Prognosemarktdaten soll Forschern erstmals ermöglichen, Forecasting nicht nur theoretisch, sondern anhand echter Kapitalentscheidungen zu analysieren. Die bereits veröffentlichte Inflationsstudie sei nur der Auftakt. Weitere Analysen sowie die geplante Konferenz Anfang 2026 sollen die Entwicklung vorantreiben.
Zuletzt aktualisiert am 23. Dezember 2025




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