Die Intercontinental Exchange (ICE), Betreiberin der weltgrößten Börse New York Stock Exchange (NYSE), hat mit einer Investition in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar für Aufsehen gesorgt.
Adressat der Kapitalspritze ist die auf Blockchain basierende Prognoseplattform Polymarket, die durch die Finanzierungsrunde auf eine Bewertung von rund 9 Milliarden US-Dollar kommt. Polymarket bestätigte die Investition auf X als „strategisches Investment“, das als deutliches Signal an den US-Finanzmarkt gewertet werden könnte: Die Grenzen zwischen traditioneller Wall Street und Krypto-Ökosystem beginnen weiter zu verschwimmen.
We are excited to announce that Intercontinental Exchange (ICE) — the parent company of @NYSE, is making a $2b strategic investment at a $9b post-money valuation.
Together, we’re building the next evolution of markets.
A special thank you to all those who have supported us… pic.twitter.com/y7Z3koj3IU
— Polymarket (@Polymarket) October 7, 2025
ICE sieht in Polymarket offenbar ein Bindeglied zwischen tokenisierten Finanzinstrumenten und realwirtschaftlichen Ereignissen. Nutzer handeln hier auf Basis von Stablecoins mit Anteilen an den Ergebnissen realer Geschehnisse wie Wahlen, Wirtschaftsdaten oder Sportevents. Die zugrundeliegende Infrastruktur basiert auf der Polygon-Blockchain. Obwohl US-Nutzern der Zugang aus regulatorischen Gründen bislang verwehrt blieb, deutet sich nun eine Wende an.
US-Marktöffnung im Blick
Erst im Juli hatte Polymarket den in den USA lizenzierten Derivatehändler QCEX für 112 Millionen US-Dollar übernommen. Dies gilt als zentraler Schritt, um künftig rechtssicher in den US-Markt einzutreten. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hatte dann im September einen sogenannten „No-Action Letter“ ausgestellt, der Polymarket von bestimmten Berichtspflichten befreit. Das nährt Spekulationen über einen baldigen US-Relaunch, begleitet von einem möglichen Börsengang mit einer angestrebten Bewertung von bis zu 10 Milliarden US-Dollar.
Diese regulatorische Annäherung steht in deutlichem Kontrast zu früheren Jahren. Noch 2022 war die Plattform ins Visier der US-Behörden geraten. Die CFTC hatte damals eine Unterlassungsverfügung erlassen, im Herbst 2024 kam es sogar zu einer Durchsuchung der Wohnung von CEO Shayne Coplan durch das FBI. Dass ICE nun dennoch in das Unternehmen investiert, dürfte als Vertrauensbeweis in die neue strategische und regulatorische Ausrichtung gewertet werden.
Politische Nähe sorgt für Diskussionen
Für zusätzliche Schlagzeilen sorgte Polymarket Ende August, als Donald Trump Jr. in den Beirat des Unternehmens aufgenommen wurde. Die Berufung erfolgte im Zusammenhang mit einer Investition des politisch konservativ positionierten Unternehmens 1789 Capital, das laut Insidern einen Betrag im zweistelligen Millionenbereich eingebracht haben soll. Damit sichert sich Polymarket Zugang zu einflussreichen Netzwerken in Washington, was für regulatorische Prozesse ein entscheidender Vorteil sein könnte.
Parallel zur ICE-Investition hat Polymarket auch auf technologischer Ebene nachgelegt. Kürzlich wurde eine strategische Partnerschaft mit Chainlink verkündet.
Polymarket gehört mittlerweile zu den am häufigsten genutzten Prognoseplattformen im Krypto-Sektor. Besonders bei politischen Ereignissen gelten die dort gehandelten Wahrscheinlichkeiten als überraschend präzise. In vergangenen Wahlzyklen lagen sie oft näher an den tatsächlichen Ergebnissen als klassische Umfragen. Der Einstieg der ICE dürfte diesen Status weiter zementieren und die Plattform als ernstzunehmenden Finanzmarktakteur etablieren.

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