Strategy gilt als wichtigste börsennotierte Bitcoin-Treasury der Welt und besitzt mehr BTC als jedes andere Unternehmen. Entsprechend aufmerksam blickte der Kryptomarkt gestern auf die neuen Quartalszahlen. Diese lieferten allerdings nicht ausschließlich positive Signale. Zwar baute Strategy seine Bitcoin-Bestände weiter aus und sammelte erneut Milliardenbeträge über den Kapitalmarkt ein.
Gleichzeitig sorgten hohe Bewertungsverluste, steigende Dividendenverpflichtungen und der erstmalig klar formulierte Verkauf von Bitcoin für Diskussionen. Besonders relevant ist dabei der Strategiewechsel: Neues Kapital soll künftig nicht mehr automatisch vollständig in Bitcoin fließen. Stattdessen will das Management flexibler zwischen BTC-Käufen, Dollarreserven, Schuldendienst und Aktienrückkäufen entscheiden.
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Strategy meldet Milliardenverlust und hält 843.775 Bitcoin
Im zweiten Quartal 2026 verbuchte Strategy einen operativen Verlust von 8,33 Milliarden US-Dollar. Hauptgrund dafür war ein nicht realisierter Bewertungsverlust von 8,32 Milliarden US-Dollar auf die gehaltenen digitalen Assets. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen aufgrund steigender Bitcoin-Kurse noch einen operativen Gewinn von 14,03 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Unter dem Strich entstand nun ein Nettoverlust von 8,22 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 24,45 US-Dollar je verwässerter Aktie. Der den Stammaktionären zurechenbare Verlust belief sich sogar auf 8,62 Milliarden US-Dollar, da zusätzlich 400,7 Millionen US-Dollar an Dividenden für Vorzugsaktien berücksichtigt wurden.

Das operative Softwaregeschäft entwickelte sich dagegen leicht positiv. Die Umsätze stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,9 Prozent auf 122,4 Millionen US-Dollar. Der Bruttogewinn erreichte 81,6 Millionen US-Dollar, während die Bruttomarge von 68,8 auf 66,6 Prozent zurückging. Zum Ende des Quartals verfügte Strategy über 1,71 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln sowie über kurzfristige Anlagen im Umfang von 736,1 Millionen US-Dollar.

Im Mittelpunkt steht weiterhin die Bitcoin-Bilanz. Zum 26. Juli hielt Strategy 843.775 BTC. Die ursprünglichen Anschaffungskosten lagen bei 63,69 Milliarden US-Dollar beziehungsweise durchschnittlich 75.476 US-Dollar je Bitcoin. Bei einem Bitcoin-Kurs von 64.915 US-Dollar betrug der Marktwert lediglich 54,77 Milliarden US-Dollar. Damit lag die Position zu diesem Zeitpunkt deutlich unter ihrem durchschnittlichen Kaufpreis. Dennoch waren die Bitcoin-Bestände seit Jahresbeginn um 25 Prozent gewachsen. Strategy meldete außerdem eine BTC Yield von 4,5 Prozent sowie einen rechnerischen BTC Gain von 29.997 Bitcoin.

Neues Kapital fließt nicht mehr ausschließlich in Bitcoin
Besonders relevant für den Markt ist die veränderte Kapitalallokation. Strategy will neue Finanzmittel künftig nicht mehr automatisch vollständig für weitere Bitcoin-Käufe verwenden. Stattdessen soll das Kapital abhängig von Marktbedingungen dynamisch zwischen Bitcoin, der USD-Reserve, Schuldentilgungen, Dividendenzahlungen und Rückkäufen eigener Wertpapiere verteilt werden. Dadurch verabschiedet sich das Unternehmen zumindest teilweise von der bisherigen Wahrnehmung, jeden verfügbaren Dollar unmittelbar in BTC umzuwandeln.
Strategy says it will continue selling Bitcoin and no longer allocate all new capital to BTC purchases
Strategy said during its Q2 earnings call that it will continue selling Bitcoin when advantageous to replenish its USD reserve, fund preferred dividends and interest… pic.twitter.com/vkz6KGDxK9
— Wu Blockchain (@WuBlockchain) July 31, 2026
Die USD-Reserve wurde mittlerweile auf 3,75 Milliarden US-Dollar erhöht. Nach Angaben des Unternehmens reicht diese Summe aus, um Zinszahlungen und Dividenden auf Vorzugsaktien für mehr als 2,1 Jahre abzudecken. Parallel reduzierte Strategy seine ausstehenden Wandelanleihen durch einen Rückkauf von 8,21 auf 6,71 Milliarden US-Dollar. Damit versucht das Management, die Finanzierungskonstruktion robuster gegen längere Bitcoin-Schwächephasen zu machen.
Zudem wurde ein Rückkaufprogramm über eine Milliarde US-Dollar für MSTR-Aktien eingerichtet. Bisher wurden darunter allerdings noch keine Aktien zurückgekauft. Beim Vorzugswert STRC griff Strategy bereits ein und erwarb Papiere mit einem Nominalwert von 28,9 Millionen US-Dollar für rund 25 Millionen US-Dollar. Zugleich darf das Unternehmen Bitcoin verkaufen, um die Dollarreserve aufzufüllen, Dividenden und Zinsen zu finanzieren oder eigene Wertpapiere zurückzukaufen. Im bisherigen Jahresverlauf wurden auf diesem Weg bereits Bitcoin im Wert von 218,4 Millionen US-Dollar veräußert.
Fundiertere Strategie könnte langfristig positiv sein
Auf den ersten Blick wirken mögliche Bitcoin-Verkäufe und eine geringere Kaufquote negativ. Dennoch könnte die neue Ausrichtung langfristig konstruktiv sein. Zuletzt gab es viel FUD rund um Strategy, insbesondere wegen hoher Verpflichtungen, sinkender Bitcoin-Preise und möglicher Liquiditätsrisiken.
Mit einer größeren Dollarreserve, reduzierten Schulden und einer flexibleren Kapitalallokation sinkt jedoch der Druck, in ungünstigen Marktphasen zwangsweise Bitcoin verkaufen oder neues Eigenkapital zu schwachen Konditionen ausgeben zu müssen. Strategy bleibt der größte institutionelle Bitcoin-Halter und will weiterhin BTC erwerben. Der Unterschied besteht darin, dass das Unternehmen künftig stärker auf Bilanzstabilität, Finanzierungskosten und Marktbedingungen achten möchte. Das könnte das Geschäftsmodell nachhaltiger und weniger abhängig von permanent steigenden Bitcoin-Kursen machen.
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Zuletzt aktualisiert am 31. Juli 2026




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