Vitalik Buterin warnt vor Überwachung durch EU-Chatkontrolle

Smartphone mit Sperrsymbol vor EU-Flagge.

Vitalik Buterin, Mitgründer der Ethereum-Blockchain, hat sich mit deutlicher Kritik zur geplanten EU-Chatkontrolle geäußert. In einem auf X veröffentlichten Beitrag warnte der Blockchain-Vordenker vor massiven Eingriffen in die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger.

Anlass für Buterins Reaktion war der Gesetzesentwurf der EU zur sogenannten „Child Sexual Abuse Regulation“ (CSAR), die vorsieht, private Nachrichten, Bilder und Videos bereits auf den Endgeräten der Nutzer zu scannen, noch bevor sie verschlüsselt werden. Diese Methode des sogenannten „Client-Side-Scanning“ gilt unter Experten als technisch fragwürdig und leicht angreifbar.

Buterin bezeichnete das Vorhaben als gefährliche Hintertür in die Überwachung digitaler Kommunikation. Der Versuch, über solche Mechanismen mehr Sicherheit zu schaffen, führe letztlich zum Gegenteil: „Man kann die Gesellschaft nicht sicher machen, indem man die Menschen unsicher macht“, so seine zentrale Botschaft.

Hintertüren, selbst wenn sie für Ermittlungszwecke geschaffen werden, seien laut Buterin immer auch ein potenzielles Einfallstor für Hacker und würden somit die gesamte digitale Infrastruktur gefährden.

Politiker wollen sich selbst ausnehmen

Besonders scharf fiel Buterins Kritik gegenüber den politischen Entscheidungsträgern aus. Er verwies auf einen Bericht des EU Reporter, laut dem hochrangige Regierungsvertreter, Geheimdienstler und Polizeibeamte offenbar von den neuen Überwachungsregeln ausgenommen werden sollen. Für Buterin ein klares Zeichen von Heuchelei: „Die Tatsache, dass sich Regierungen selbst von ihrem eigenen Gesetz ausnehmen wollen, spricht Bände.“

Tatsächlich bestätigen durchgesickerte Entwürfe, dass einige Innenminister und Regierungsstellen Sonderregelungen fordern. Währenddessen würden Millionen EU-Bürger mit massenhafter Überwachung konfrontiert. Die politische Debatte in Brüssel ist entsprechend aufgeheizt.

Bislang unterstützen 15 Mitgliedsstaaten die Initiative. Für eine Verabschiedung wird allerdings eine Zustimmung von Ländern mit mindestens 65 Prozent der EU-Gesamtbevölkerung benötigt. Deutschland kommt damit eine Schlüsselrolle zu, denn ohne die Zustimmung der Bundesregierung dürfte das Gesetz scheitern.

Web3 statt Web2? Krypto-Community wittert Chancen

Neben Bürgerrechtlern und Datenschützern hat sich auch die Krypto-Szene positioniert. Für viele Web3-Verfechter ist die geplante Chatkontrolle ein klarer Beleg dafür, dass zentralisierte Systeme an ihre Grenzen stoßen.

Plattformen wie WhatsApp oder Gmail wären direkt betroffen, da sie die vorgeschriebenen Client-Side-Scans implementieren müssten. Im Gegensatz dazu speichern dezentrale Netzwerke wie Ethereum, Diode oder Brickken keine zentralen Daten, wodurch sich Eingriffe dieser Art technisch deutlich schwieriger gestalten.

Hans Rempel, CEO von Diode, erklärte, dass das Prinzip „Not your keys, not your data“ in diesem Zusammenhang neue Relevanz erhält. Auch Elisenda Fabrega von Brickken warnte davor, dass die EU mit solchen Maßnahmen ihre digitalen Grundrechte untergräbt und den internationalen Datenschutzstandard schwächen könnte. Zudem verstoße der aktuelle Entwurf gegen Artikel 7 und 8 der EU-Grundrechtecharta, die das Recht auf Achtung des Privatlebens und den Schutz personenbezogener Daten garantieren.

Entscheidung naht: Deutschland im Fokus

Die endgültige Entscheidung über das Gesetz fällt voraussichtlich am 14. Oktober. Bis dahin bleibt unklar, wie sich Deutschland positionieren wird. Sollte das Land zustimmen, könnte das Gesetz trotz aller Kritik durchgesetzt werden. Verweigert es die Zustimmung oder enthält sich, dürften die Pläne der EU-Kommission scheitern.

Für viele Beobachter ist die Debatte ein Lackmustest für die digitale Zukunft Europas. Die Chatkontrolle könnte als Präzedenzfall für die Einschränkung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Demokratien dienen. Die eindringliche Warnung des Gründers von Ethereum trifft daher einen Nerv bei all jenen, denen digitale Selbstbestimmung am Herzen liegt.

Zuletzt aktualisiert am 27. September 2025

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