
Franklin Templeton hat am 18. Juni 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC zwei neue ETFs beantragt, die Aktieninvestments mit einer systematischen Bitcoin-Allokation verbinden – automatisch, über die Reinvestition von Dividenden. Das Konzept ist in der ETF-Industrie bislang ohne direkten Präzedenzfall und könnte eine neue Produktkategorie begründen.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Die Bitcoin-Komponente ist bewusst klein gehalten und unterliegt strengen Risikokontrollen. Was auf den ersten Blick wie ein aggressiver Krypto-Vorstoß eines der größten Vermögensverwalter der Welt wirkt, entpuppt sich als vorsichtig konstruiertes Hybridprodukt für konservative Anleger.
Zwei neue ETFs, ein gemeinsames Prinzip: Dividenden werden zu Bitcoin
Laut den SEC-Einreichungsunterlagen des Franklin Templeton ETF Trust umfasst der Antrag zwei separate Fonds: den Franklin US Equity Bitcoin DRIP Index ETF und den Franklin US Innovation Bitcoin DRIP Index ETF. Beide Produkte verfolgen denselben Mechanismus: Dividenden, die aus den gehaltenen Aktien anfallen, werden nicht an Anleger ausgeschüttet, sondern systematisch in Bitcoin-bezogene Investments reinvestiert.
Die Ausgangsallokation beider Fonds beträgt 95 Prozent Aktien und 5 Prozent Bitcoin-Exposure. Wie Franklin Templeton in den Registrierungsunterlagen formulierte: „The underlying index includes an allocation to bitcoin that is achieved by systematically reinvesting dividends from the equity securities in the underlying index into bitcoin.“ Die Benchmark-Indizes wurden vom Indexanbieter VettaFi entwickelt.
Der erste Fonds bildet den VettaFi US Large-Cap 500 Bitcoin DRIP Index ab, der die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen nach Marktkapitalisierung umfasst – mit einer Spanne von etwa 7,5 bis 4,9 Billionen US-Dollar. Per Stand 30. April 2026 enthielt der Index 498 Wertpapiere. Der zweite Fonds folgt dem VettaFi US Innovation 100 Bitcoin DRIP Index, der die 100 größten Nasdaq-notierten US-Unternehmen abbildet – unter Ausschluss von Finanzunternehmen.
Risikokontrollen: Quartalsweise Rebalancierung und eine 20-Prozent-Obergrenze
Die Bitcoin-Gewichtung ist keineswegs unkontrolliert. Die Indexmethodologie sieht eine quartalsweise Rebalancierung vor: Übersteigt die Bitcoin-Allokation die 5-Prozent-Marke, wird sie auf 4,5 Prozent zurückgesetzt. Zwischen den Rebalancierungsterminen gilt eine harte Obergrenze von 20 Prozent Bitcoin-Gewichtung – ein Sicherheitsventil, das verhindern soll, dass starke BTC-Kursgewinne die Aktienkomponente strukturell verdrängen.
Den Zugang zu Bitcoin erhalten die Fonds über ein Bündel an Instrumenten: Spot-Bitcoin-ETPs, CME-Futures, Optionen und andere preisgebundene Wertpapiere. Zudem erlauben die Registrierungsunterlagen die Nutzung einer vollständig gehaltenen Tochtergesellschaft auf den Cayman Islands für regulatorische und steuerliche Strukturierungszwecke. Angaben zu Managementgebühren oder Kostenquoten fehlen in der vorläufigen Einreichung noch vollständig.

Als mögliches Startdatum nennen die Unterlagen den 1. September 2026 – sofern die SEC-Registrierung ohne Verzögerungen wirksam wird. Ticker-Symbol, Börsenlistung und finale Gebührenstruktur stehen noch aus.
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Was das DRIP-Konzept für den Markt bedeutet
Franklin Templeton betreibt eine globale ETF-Plattform mit einem verwalteten Vermögen von über 165 Milliarden US-Dollar und war bereits bei der ersten Welle der US-Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 mit dem Franklin Bitcoin ETF (EZBC) dabei. Der Vermögensverwalter gehört damit zu den aktivsten traditionellen Asset-Managern im Krypto-Bereich.
Genau deshalb verdient der DRIP-Ansatz besondere Aufmerksamkeit: Er richtet sich nicht an Anleger, die aktiv in Bitcoin investieren wollen, sondern an jene, die Krypto-Exposure passiv und strukturiert aufbauen möchten – ohne manuelles Rebalancieren, ohne separate Krypto-Konten. Die Dividende erledigt die Arbeit automatisch. Das Konzept könnte konservative Aktienanleger ansprechen, die Bitcoin bislang gemieden haben.
Marktbeobachter aus der Krypto-Branche sehen den Antrag als weiteres Zeichen der zunehmenden Institutionalisierung von Bitcoin als Portfoliobaustein. Institutionelles Interesse an neuartigen Krypto-ETF-Strukturen lässt sich bereits an den rekordverdächtigen Zuflüssen in Spot-Bitcoin-ETFs ablesen, die in den vergangenen Monaten neue Maßstäbe gesetzt haben.
Sollten die Fonds tatsächlich zum September-Termin an den Start gehen, dürfte sich zeigen, ob andere große ETF-Anbieter das DRIP-Modell kopieren. Der regulatorische Rahmen für solche hybriden Strukturen wird dabei zunehmend wichtiger – die SEC arbeitet aktiv an einem Fünfjahresplan für tokenisierte Kapitalmärkte, der den Weg für weitere innovative Produkte ebnen könnte.
Für Anleger bleibt vorläufig das Wichtigste festzuhalten: Die DRIP-ETFs sind noch nicht investierbar. Wer die weitere Entwicklung verfolgen will, sollte insbesondere auf SEC-Kommentare zur Registrierung, die finale Gebührenstruktur und die Börsenlistung achten – erst dann lässt sich eine belastbare Einschätzung zur Attraktivität gegenüber bestehenden Spot-Bitcoin-ETFs oder breiten Aktienindexfonds treffen.
Zuletzt aktualisiert am 22. Juni 2026



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