
Polymarket, eine der bekanntesten Prediction-Market-Plattformen im Krypto-Bereich, steht nach einer Enthüllung des Wall Street Journal vor einem massiven Vertrauensproblem: Die Plattform soll Content Creator dafür bezahlt haben, gefälschte Gewinnwetten auf eigens dafür eingerichteten Dummy-Websites zu inszenieren – und das in einem Ausmaß, das regulatorische Konsequenzen nach sich ziehen könnte.
Für deutschsprachige Krypto-Anleger, die Prediction Markets als transparentes Marktbarometer schätzen, stellt die Enthüllung eine ernste Warnung dar: Selbst scheinbar dezentrale Plattformen können mit orchestrierten Täuschungsmanövern arbeiten.
Was das WSJ aufgedeckt hat
Laut der Wall Street Journal-Untersuchung wurden insgesamt 1.105 Videos von zehn sogenannten „endorsed creators“ ausgewertet. Von diesen wirkten 778 Videos so, als würden echte Wetten auf der Polymarket-Plattform platziert – tatsächlich handelte es sich jedoch ausnahmslos um Aufnahmen auf gefälschten Dummy-Sites mit irreführenden Domains wie etwa „poiymarket“.
In diesen Videos wurden angebliche Gewinne von insgesamt rund 1,9 Millionen US-Dollar dargestellt. Die real mit den Creator-Konten verknüpften Transaktionen wiesen laut WSJ hingegen einen Verlust von zusammen etwa 166.000 US-Dollar aus – die vorgetäuschten Gewinne existierten auf der echten Plattform schlicht nie.
Das Influencer-Programm lief demnach über die Marketing-Agentur Virality, die gezielt TikTok, Instagram und YouTube mit diesen Clips flutete. Besonders brisant: Damit wurden auch US-Nutzer angesprochen, obwohl Polymarket den Zugang für amerikanische Nutzer offiziell beschränkt.
Verdeckte Werbung und mögliche FTC-Verstöße
Einige der beteiligten Creator berichteten gegenüber dem WSJ, sie seien mit 2.000 bis 3.000 US-Dollar pro Monat entlohnt worden. Vertraglich sei ihnen dabei untersagt worden, die Zusammenarbeit mit Polymarket offenzulegen – ein Vorgehen, das potenziell gegen die Offenlegungspflichten der US-amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) verstößt.
Nachdem das WSJ bei Polymarket um eine Stellungnahme anfragte, wurden mehrere Dummy-Domains stillschweigend abgeschaltet und zahlreiche Videos von Creator-Profilen gelöscht. Polymarket erklärte daraufhin, man werde sein gesamtes Werbematerial „umfassend überprüfen“ und sei zu „akkuraten, fairen und transparenten Märkten“ verpflichtet.
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Regulatorischer Hintergrund: CFTC und ein Vorgeschmack auf Konsequenzen
Polymarket ist mit Regulierungsbehörden nicht zum ersten Mal in Konflikt geraten. Bereits Anfang 2022 zwang die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) das Projekt wegen nicht registrierter binärer Optionsmärkte zu einer Strafe von 1,4 Millionen US-Dollar und zur Schließung bestimmter Märkte. Genau deshalb wiegt der neue Skandal doppelt schwer: Beobachter erwarten, dass die CFTC nun prüfen wird, ob es sich um ein systematisches Täuschungsmuster handelt, das frühere Auflagen verletzt.
Parallel wächst der Druck durch regulierte Konkurrenten: Kalshi, ein in den USA zugelassener Prediction-Market-Anbieter, wirbt aktiv um institutionelle und Kleinanleger – und dürfte durch den Polymarket-Skandal erheblich an Vertrauen gewinnen. Ob unregulierte DeFi-Prediction-Markets diesen Glaubwürdigkeitsverlust kompensieren können, ist aktuell die zentrale Frage der Branche.
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Was Anleger jetzt wissen müssen
Der Fall Polymarket zeigt exemplarisch, wie virales Influencer-Marketing im Krypto-Sektor zur Täuschungsmaschine werden kann – insbesondere wenn Offenlegungspflichten bewusst umgangen werden. Wer Prediction Markets als datengetriebenes Werkzeug für Markteinschätzungen nutzt, muss nun hinterfragen, ob die dort abgebildete Aktivität tatsächlich organisch ist.
Für den breiteren DeFi-Sektor bleibt die Frage: Warnsignal oder Einzelfall? Sollten US-Behörden auch FTC-Werberegeln ins Visier nehmen, könnten ähnliche Marketingpraktiken bei anderen DeFi-Protokollen ebenfalls unter die Lupe geraten. Anleger sollten Plattformen mit nachgewiesener regulatorischer Compliance und transparenten On-Chain-Daten bevorzugen – so wie es seriöse DeFi-Protokolle demonstrieren, die mit verifizierbaren Kennzahlen und klarer Governance punkten.



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