
Der US-Kongress hat ein Gesetz verabschiedet, das der Federal Reserve bis Ende 2030 ausdrücklich verbietet, einen digitalen Dollar auszugeben – ein historischer Einschnitt in die amerikanische Geldpolitik. Präsident Donald Trump muss das Gesetz nun noch unterzeichnen, womit es als sicher gilt, dass die USA auf absehbare Zeit keine staatliche digitale Zentralbankwährung (CBDC) einführen werden.
Was das Gesetz konkret untersagt
Der „21st Century ROAD to Housing Act“ enthält eine Klausel, die der Fed bis zum 31. Dezember 2030 untersagt, eine CBDC oder ein „im Wesentlichen ähnliches“ staatliches Digital-Asset direkt oder über Intermediäre zu emittieren. Eine Sunset-Klausel sieht vor, dass ab 2031 eine neue, ausdrückliche Ermächtigung des Kongresses notwendig wäre, bevor die Fed einen digitalen Dollar auch nur prüfen dürfte. Damit wird erstmals per Gesetz kodifiziert, dass die Fed ohne Kongressbeschluss keine Konten für Privatpersonen über eine digitale Zentralbankwährung führen darf.
Das Anti-CBDC-Gesetz wurde als Teil eines Dreierpakets zusammen mit dem GENIUS Act (Stablecoins) und dem CLARITY Act (Marktstruktur) behandelt. Im Repräsentantenhaus passierte der GENIUS Act mit 308 zu 122 Stimmen, der CLARITY Act mit 294 zu 134 – der Anti-CBDC-Act selbst wurde mit der knappsten Mehrheit von 219 zu 210 Stimmen angenommen, was die parteipolitische Sprengkraft der Vorlage unterstreicht.
Weiterlesen: Coinbase-CEO gegen Jamie Dimon: Scheitert der CLARITY Act?
Strategisches Kalkül hinter dem Gesetzespaket
Die Anti-CBDC-Formulierung wurde laut mehreren Berichten strategisch an den größeren Housing-Entwurf angehängt, um zusätzliche Stimmen zu gewinnen. Genau diese Paketlösung sicherte dem Gesetz den Weg durch beide Kammern, nachdem frühere eigenständige Entwürfe wie der „CBDC Anti-Surveillance State Act“ in den Jahren 2023 und 2024 zwar das Repräsentantenhaus passierten, im weiteren Gesetzgebungsprozess aber scheiterten.
Krypto-Lobbyverbände und Branchenvertreter sprechen von einem „Wendepunkt“: Die Kombination aus GENIUS, CLARITY und Anti-CBDC-Gesetz schaffe einen klaren pro-marktwirtschaftlichen Rahmen, der Innovation bei Stablecoins und Krypto-Börsen fördere, während staatliches Digitalgeld gebremst werde. Kritische Ökonomen hingegen warnen, die USA verlören damit geldpolitischen Gestaltungsspielraum und die Fähigkeit, im Wettbewerb mit digitalen Währungen anderer Staaten Schritt zu halten.
USA gegen den Rest der Welt – ein wachsender Regulierungsgraben
Der US-Kurs steht in direktem Gegensatz zur europäischen Strategie: Während Washington staatliche Digitalwährungen per Gesetz blockiert, treibt Brüssel den digitalen Euro mit einem Zielhorizont bis 2029 voran. Der Regulierungsgraben zwischen den großen Wirtschaftsblöcken wächst damit signifikant – mit direkten Konsequenzen für die globale Architektur des digitalen Zahlungsverkehrs.
Auch gegenüber China, das mit dem digitalen Yuan bereits seit Jahren in der Praxis erprobt, setzt Washington nun ein klares politisches Signal: privates Marktgeld statt Staatsgeld. Gleichzeitig reguliert die EU den privaten Krypto-Markt über die MiCA-Verordnung mit einem Stichtag im Juli 2026 streng – ein Ansatz, der sich fundamental vom amerikanischen Modell unterscheidet.
Was Anleger jetzt beobachten sollten
Nach Trumps erwarteter Unterschrift rückt die konkrete Ausgestaltung der Fed-Regeln sowie der Aufsichtsstandards für Stablecoins und Krypto-Märkte durch nachgeordnete Regulierung von Fed, SEC und CFTC in den Mittelpunkt. Stablecoin-Anbieter dürften als direkte Profiteure des GENIUS Act kurzfristig an Marktbedeutung gewinnen.
International ist mit einer Reaktion anderer Zentralbanken zu rechnen: Der US-Kurs gilt als Referenz für die globale CBDC-Debatte. Wer als Anleger auf den Aufschwung privater Stablecoins und regulierter Krypto-Märkte setzt, findet in diesem Gesetzespaket die bislang stärkste legislative Rückendeckung – sofern Trump wie erwartet unterzeichnet.
Zuletzt aktualisiert am 24. Juni 2026




Fragen und Antworten
Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.