
Die Ethereum Foundation hat 54 Stellen gestrichen – rund 20 % der Gesamtbelegschaft – und kündigt gleichzeitig eine Budgetkürzung von rund 40 % an. Das geschieht ausgerechnet dann, wenn das Ethereum-Netzwerk Rekordnutzung verzeichnet, der ETH-Kurs aber seit Jahresbeginn um 44 % eingebrochen ist.
Für Investoren markiert dieser Einschnitt mehr als einen Sparkurs: Er signalisiert eine fundamentale Neuausrichtung der Organisation, die das Ethereum-Protokoll seit Jahren lenkt – mit weitreichenden Folgen für Governance, Forschung und die langfristige Entwicklung des Ökosystems.
54 Stellen gestrichen, Budget um 40 % gekürzt
In einem Blogpost vom 23. Juni erklärte Vitalik Buterin, dass die Ethereum Foundation ihr jährliches Budget um rund 40 % reduziert. Das langfristige Ziel: Den Treasury-Verbrauch von bislang rund 15 % pro Jahr auf etwa 5 % ab 2030 zu senken – ein Umbau hin zu einem konservativ geführten Endowment-Modell.
Entlassene Mitarbeiter erhalten laut offizieller Mitteilung mindestens einen Monatslohn pro Dienstjahr sowie Unterstützung bei der Jobvermittlung innerhalb des Ethereum-Ökosystems. Interimistischer Co-Executive Director Bastian Aue leitet die Organisation nun allein, nachdem Co-Executive Directorin Hsiao-Wei Wang kurz vor Abschluss der Umstrukturierung zurückgetreten war.
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Neue Fünf-Layer-Struktur und Spin-off Ethlabs
Die Ethereum Foundation gliedert ihre Arbeit künftig in fünf Domänen: Protocol Layer, Access Layer, User Layer, Community Layer und Institutional Layer. Der Protocol Layer priorisiert Post-Quanten-Sicherheit, zkEVM-Forschung und L1-Privacy – also genau jene Themen, die für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Ethereum entscheidend sind.
Parallel gründeten fünf ehemalige EF-Forscher am 22. Juni das unabhängige Non-Profit-Lab Ethlabs, unterstützt unter anderem von Ethereum-Mitgründer Joe Lubin. Ethlabs fokussiert sich auf Settlement-Geschwindigkeit, Cross-Chain-Infrastruktur und Mainnet-Kapazität – Themen, die die EF künftig nicht mehr vollständig intern bearbeiten wird.
Warnsignal oder strategische Konsolidierung?
Genau hier liegt die zentrale Frage für Marktbeobachter: Handelt es sich um eine konsequente Umsetzung der sogenannten Subtraction-Philosophie – also die bewusste Abgabe von Verantwortung an unabhängige Teams –, oder zeigen die Abgänge von mindestens acht bis neun hochrangigen Forschern seit Januar 2026 ein tieferes Governance-Problem?
Einige Analysten sehen die Budgetdisziplin positiv: Eine verlängerte Treasury-Runway und ein schärferer Fokus auf Kernkompetenzen wie Zensurresistenz, Privacy und Sicherheit könnten die Stiftung langfristig stärken. Kritische Stimmen in Foren und auf Social Media betonen hingegen, dass der Abfluss von Top-Talenten die Umsetzung der ambitionierten Protokoll-Roadmap gefährdet.
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ETH-Kurs: Paradox zwischen Netzwerknutzung und Preisperformance
ETH notiert seit Jahresbeginn rund 44 % im Minus – obwohl das Ethereum-Netzwerk gleichzeitig Rekordnutzungszahlen verzeichnet. Dieses Paradox zwischen starken On-Chain-Fundamentaldaten und schwacher Tokenpreisentwicklung ist ein Muster, das erfahrene ETH-Beobachter bereits aus früheren Zyklen kennen.

Laut aktuellen Marktdaten haben große Adressen zuletzt signifikante ETH-Mengen vom Markt abgezogen, was einige Analysten als Vorbereitung auf eine mögliche Gegenbewegung werten. Ob der Personalabbau bei der EF das Sentiment weiter belastet oder mittelfristig als Effizienzgewinn eingepreist wird, bleibt vom weiteren Verlauf der Protokollentwicklung abhängig.
Was Investoren jetzt im Blick behalten sollten
Entscheidend wird sein, ob die neue Fünf-Layer-Struktur die Protokoll-Roadmap – insbesondere Post-Quanten-Sicherheit und L1-Privacy – trotz kleinerem Team planmäßig voranbringt. Weitere Spin-offs aus der EF könnten die Machtzentren im Ethereum-Ökosystem dauerhaft verschieben.
Wer jetzt überlegt, ob der ETH-Kursrückgang eine Einstiegsgelegenheit darstellt, sollte weniger auf die Personalentscheidungen der Stiftung schauen als auf konkrete Meilensteine der Roadmap: Bleiben die Upgrade-Zeitpläne intakt, spricht die Kombination aus Rekordnutzung und günstigerer Bewertung eine andere Sprache als die aktuelle Kursschwäche allein.
Zuletzt aktualisiert am 24. Juni 2026




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