
Coldcard galt lange als besonders sichere Lösung für die eigenständige Verwahrung von Bitcoin. Doch eine schwerwiegende Schwachstelle bei der Erzeugung neuer Wallet-Schlüssel hat dieses Vertrauen massiv erschüttert. Bestimmte Firmware-Versionen nutzten offenbar nicht die vorgesehene Hardware-Zufallsquelle, sondern konnten auf einen deutlich schwächeren, teilweise vorhersehbaren Zufallszahlengenerator zurückfallen. Dadurch ließ sich die Zahl möglicher Seed-Kombinationen drastisch reduzieren und systematisch durchsuchen. Die Sicherheitsforscher von Block führen die Schwachstelle auf eine seit März 2021 vorhandene Firmware-Implementierung zurück.
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Der Schaden ist inzwischen erheblich größer als zunächst angenommen. Galaxy Research identifizierte drei Angriffswellen, bei denen insgesamt 1.367,05 BTC im damaligen Wert von rund 88,6 Millionen US-Dollar aus 4.585 Adressen abgezogen wurden. Allein bei der ersten großen Welle verschwanden 1.082,65 BTC innerhalb von lediglich 41 Minuten. Spätere Angriffe richteten sich zunehmend auch gegen Wallets mit kleineren Guthaben.
🚨 A 3rd wave in what we suspect are hacks of Coldcard-generated addresses has been identified in which 207.7294 BTC has been drained.
Our estimated observed size of the Coldcard hack is now 1,367.05 BTC (~$88.6m) across 4,585 addresses.
More updates in the thread below 👇 https://t.co/hPtXh9444D pic.twitter.com/g6xA4OOi2f
— Galaxy Research (@glxyresearch) August 1, 2026
Bitcoin-Besitzer bewegen so viele Coins wie seit dem FTX-Crash nicht mehr
Die Coldcard-Angriffe haben nicht nur die direkt betroffenen Wallets geleert, sondern offenbar eine breitere Sicherheitsreaktion unter kleineren Bitcoin-Besitzern ausgelöst. Daten von CryptoQuant zeigen, dass am 31. Juli rund 39.600 BTC aus Transaktionsausgängen mit einem Volumen von weniger als einem Bitcoin bewegt wurden. Ein ähnlich hoher Tageswert war zuletzt am 16. November 2022 zu beobachten. Damals wechselten rund 39.900 BTC den Besitzer – wenige Tage nach dem spektakulären Zusammenbruch der Kryptobörse FTX.
Die Kennzahl erfasst sogenannte „Spent Output Value Bands“. Sie unterteilt bewegte Bitcoin danach, wie groß die jeweils ausgegebenen Transaktionsausgänge sind. Julio Moreno von CryptoQuant verweist ausdrücklich auf Bewegungen unterhalb von einem BTC. Damit stammt die Aktivität überwiegend nicht von klassischen Großinvestoren oder institutionellen „Whales“, sondern aus kleineren Wallet-Strukturen, wie sie häufig von privaten Selbstverwahrern genutzt werden.
The Bitcoin plebs had not move this amount of BTC in a day since the FTX collapse.
39.6K BTC transferred on July 31st after the coldcard hack, 39.9K BTC transferred on November 16 2022, a few days after the FTX collapse.
These are Bitcoin transfers < 1 BTC.
I like to see that… pic.twitter.com/c7Qzx7za6M
— Julio Moreno (@jjcmoreno) August 2, 2026
Der starke Anstieg bedeutet allerdings nicht automatisch, dass 39.600 BTC verkauft wurden. Eine On-Chain-Transaktion kann ebenso bedeuten, dass Nutzer ihre Bestände lediglich von einer potenziell gefährdeten Adresse auf eine neu erzeugte und hoffentlich sichere Wallet übertragen haben. Gerade nach Bekanntwerden einer Schwachstelle ist dies die naheliegende Reaktion. Coldcard selbst warnt inzwischen, dass Seeds, die mit Firmware 4.0.1 oder später erzeugt wurden, gefährdet sein könnten.
Die Parallele zum FTX-Crash liegt somit weniger im Auslöser als im Verhalten der Anleger. Nach FTX wollten viele Nutzer ihre Bitcoin möglichst schnell von zentralisierten Börsen abziehen. Nach dem Coldcard-Vorfall müssen Besitzer nun prüfen, ob sogar ihre bislang als besonders sicher geltende Offline-Verwahrung kompromittiert sein könnte. In beiden Fällen führt ein plötzlicher Vertrauensverlust zu außergewöhnlich großen Bewegungen auf der Blockchain. Für den Markt ist dies zunächst kein eindeutiges Verkaufssignal, wohl aber ein klares Zeichen massiver Unsicherheit unter Bitcoin-Selbstverwahrern.
Das sollten betroffene Coldcard-Nutzer jetzt dringend tun
Coldcard empfiehlt allen potenziell betroffenen Nutzern, nicht überstürzt, aber möglichst zeitnah zu handeln. Entscheidend sind dabei das verwendete Gerät und die installierte Firmware. Besitzer eines Mk3, deren Seed mit Firmware 4.0.1 oder neuer erzeugt wurde, sollten ihre Bitcoin auf eine vollständig neue Wallet migrieren – sofern bei der Seed-Erstellung nicht mindestens 50 unabhängige Würfelwürfe verwendet wurden.
Für Mk4- und Mk5-Geräte gilt: Zunächst auf Firmware 5.6.0 oder neuer aktualisieren. Nutzer einer Coldcard Q benötigen mindestens Version 1.5.0Q. Erst danach sollte auf dem aktualisierten Gerät ein neuer Seed erzeugt und das Guthaben dorthin übertragen werden. Für den Mk3 steht Firmware 4.2.0 bereit.
🚨URGENT COLDCARD SECURITY UPDATE
Read carefully before acting.
👉Mk3 seed generated on 4.0.1+ without ≥50 private, independent dice rolls: begin a careful migration now.
👉Mk4/Mk5 <5.6.0 or Q <1.5.0Q: update first, generate a new seed, then migrate.https://t.co/HshUxevCl3 https://t.co/zrkUuACRyE
— COLDCARD (@COLDCARDwallet) July 31, 2026
Wichtig ist, nicht lediglich neue Empfangsadressen aus dem bisherigen Seed zu verwenden. Sämtliche daraus abgeleiteten Adressen beruhen weiterhin auf demselben möglicherweise vorhersagbaren Ausgangswert. Erforderlich ist deshalb ein komplett neuer Seed, der mit der korrigierten Firmware erstellt wird. Anschließend müssen die Bitcoin durch eine reguläre On-Chain-Transaktion auf die neue Wallet übertragen werden.
Coldcard warnt zudem davor, den alten Seed vorschnell zu löschen. Nutzer sollten zunächst prüfen, ob die neue Wallet korrekt gesichert und wiederherstellbar ist.
Gleichzeitig ist Eile geboten: Sobald ein Seed als potenziell kompromittiert gilt, kann niemand zuverlässig ausschließen, dass Angreifer die zugehörigen privaten Schlüssel bereits berechnen oder beobachten.
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Zuletzt aktualisiert am 2. August 2026


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