Der Kryptomarkt konsolidiert weiter. Auch Ethereum kommt trotz einer Erholung auf Wochensicht von rund 7 Prozent nicht wirklich vom Fleck und stagniert aktuell bei rund 1.750 US-Dollar. Damit bleibt ETH charttechnisch klar angeschlagen: Vom Allzeithoch bei knapp 4.950 US-Dollar ist der Kurs weit über 60 Prozent entfernt, zugleich hat Ethereum 2026 bislang deutlich an Wert verloren.
Während technische Trader deshalb weiter vorsichtig bleiben, deutet eine fundamentale Metrik nun auf eine historisch günstige Bewertung hin.
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Ethereum historisch günstig? Diese Metrik macht Hoffnung
Im Fokus steht der Vergleich zwischen der vollständig verwässerten Marktkapitalisierung von Ethereum und dem sogenannten Total Value Locked, kurz TVL. Die vollständig verwässerte Marktkapitalisierung beschreibt den theoretischen Gesamtwert von ETH auf Basis des Tokenpreises und des gesamten Angebots. Token Terminal definiert diese Kennzahl entsprechend als Bewertung bei vollständiger Verwässerung.
Demgegenüber zeigt der TVL, wie viel Kapital in Anwendungen, Protokollen und Smart Contracts auf Ethereum gebunden ist. Vereinfacht gesagt misst diese Kennzahl also die Größe der Onchain-Wirtschaft, die auf Ethereum läuft. Genau hier wird die aktuelle Entwicklung spannend: Laut der von Leon Waidmann geteilten Token-Terminal-Grafik liegt der auf Ethereum gebundene Wert derzeit bei rund 260 Milliarden US-Dollar, während die vollständig verwässerte Marktkapitalisierung von ETH nur bei etwa 210 Milliarden US-Dollar liegt.
Ethereum seems highly undervalued! 👀
For the first time in history, the value locked ON Ethereum is bigger than the value OF Ethereum itself!
🔹 ETH fully diluted market cap: ~$210B
🔹 Total value locked: ~$260B
🔹 The blue area just crossed above the orange lineThe economy… pic.twitter.com/tFvOV1e41d
— Leon Waidmann (@LeonWaidmann) July 9, 2026
Damit wäre die Ethereum-Ökonomie erstmals größer als der Vermögenswert, der diese Ökonomie absichert. Historisch war es meist umgekehrt: In Bullenmärkten lief der ETH-Kurs der fundamentalen Nutzung oft deutlich voraus. Jetzt scheint sich das Verhältnis gedreht zu haben. Die blaue TVL-Fläche liegt über der orangefarbenen Bewertungslinie. Daraus entsteht die These, dass ETH im Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung des Netzwerks günstig bewertet sein könnte.
Für Bullen ist das ein starkes Argument: Der Markt bewertet ETH aktuell wie ein angeschlagenes Asset, während die darunterliegende Netzwerkökonomie deutlich robuster wirkt. Entweder ist diese Onchain-Wirtschaft überbewertet – oder ETH selbst ist historisch unterbewertet. Genau diese Diskrepanz könnte Ethereum langfristig wieder Fantasie geben.
Tom Lee sieht Ethereum als Settlement-Layer für Wall Street
Diese These passt zu einer deutlich größeren Ethereum-Wette, die nun auch Tom Lee von Fundstrat formuliert. Sein Argument: Ethereum sei bei einer Bewertung von rund 300 Milliarden US-Dollar massiv unterbewertet, wenn man das Netzwerk nicht nur als Coin, sondern als künftige Finanzinfrastruktur betrachtet. Denn Gold, Aktien und Immobilien kommen zusammen auf Vermögenswerte im dreistelligen Billionenbereich. Sollte nur ein kleiner Teil dieser Märkte langfristig tokenisiert und on-chain abgewickelt werden, entstünde ein gigantischer adressierbarer Markt.
"If Ethereum is at 300 billion, it's grossly undervalued."@fundstrat's Tom Lee, one of Wall Street's most-followed forecasters, on why he thinks the market has Ethereum badly wrong:
"Gold is 22 trillion. The stock market is over 100 trillion. Real estate's like 300 trillion."… https://t.co/1EVQEuZw49 pic.twitter.com/Neos5zr8X3
— New Era Finance Podcast (@new_era_finance) July 7, 2026
Lee sieht Ethereum dabei als eine Art Basisschicht für die digitale Wall Street. Gemeint ist: Vermögenswerte werden programmierbar, handelbar, besicherbar und global abwickelbar. Statt klassischer Marktinfrastruktur mit langen Settlement-Zeiten könnten Aktien, Anleihen, Immobilienanteile oder Fondsanteile direkt auf Blockchain-Schienen laufen. Ethereum hätte dann nicht nur Spekulationswert, sondern würde als Abwicklungsschicht Gebühren, Sicherheit und Netzwerkeffekte bündeln.
Natürlich bleibt das eine bullische Langfristthese. Regulierung, Skalierung, Konkurrenz durch andere Chains und institutionelle Zurückhaltung sind Risiken. Doch die Richtung ist klar: Tokenisierung realer Vermögenswerte gewinnt an Bedeutung. Wenn Ethereum hier eine zentrale Rolle übernimmt, wäre die aktuelle Bewertung im Vergleich zum potenziellen Markt tatsächlich niedrig. Genau deshalb sehen Bullen in ETH weniger einen Altcoin – sondern Infrastruktur für globale Finanzmärkte.
MVRV Z-Score: Ethereum wirkt auch on-chain extrem günstig
Eine weitere Metrik, die diese Unterbewertungsthese stützt, ist der MVRV Z-Score. Dieser Indikator vergleicht vereinfacht gesagt den aktuellen Marktwert von Ethereum mit dem sogenannten realisierten Wert. Während die Marktkapitalisierung den aktuellen ETH-Preis abbildet, betrachtet der realisierte Wert, zu welchen Preisen die Coins zuletzt bewegt wurden. Dadurch zeigt die Metrik, ob der Markt stark überhitzt ist oder ob ETH im Verhältnis zur On-Chain-Kostenbasis günstig bewertet wird.
Historisch waren hohe Werte beim MVRV Z-Score ein Warnsignal. In früheren Bullenmärkten stieg der Indikator deutlich an, teilweise in den roten Bereich. Das deutete darauf hin, dass der Markt weit über seiner realisierten Bewertung notierte und viele Anleger hohe unrealisierte Gewinne hielten. Solche Phasen gingen häufig mit Euphorie und späteren Korrekturen einher.

Aktuell zeigt sich jedoch das Gegenteil. Der MVRV Z-Score liegt im unteren Bereich und sogar wieder in einer Zone, die historisch eher mit Bodenbildungsphasen verbunden war. Laut der Glassnode-Grafik ist Ethereum demnach so günstig bewertet wie seit 2018 kaum noch. Besonders auffällig ist, dass der ETH-Preis zwar deutlich höher steht als damals, die Bewertungsrelation aber ähnlich gedrückt wirkt.
Für langfristige Anleger ist das spannend: Der Markt preist Ethereum derzeit nicht wie ein überhitztes Asset, sondern eher wie ein Netzwerk in einer tiefen Kapitulations- oder Akkumulationsphase. Das garantiert keine schnelle Trendwende. Doch fundamental und on-chain spricht diese Metrik dafür, dass das Chance-Risiko-Verhältnis wieder attraktiver wird.
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Zuletzt aktualisiert am 9. Juli 2026

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