
Ethereum setzt seine zähe Seitwärtsbewegung fort. Zuletzt scheiterte ETH erneut im Bereich von 2.000 US-Dollar und tendiert weiterhin deutlich unter dieser psychologisch wichtigen Marke. Auf Wochensicht konnte sich der Kurs zwar leicht erholen, doch echte Dynamik oder relative Stärke gegenüber anderen Kryptowährungen fehlt weiterhin. Vom Allzeithoch ist Ethereum inzwischen deutlich mehr als 60 Prozent entfernt.
Neue fundamentale Impulse wären daher dringend notwendig. Genau hier sorgt nun ein kontroverser Vorschlag für Aufmerksamkeit: EIP-8361 könnte die Ausgabe neuer ETH grundlegend verändern und das Staking-System stärker an der tatsächlichen Nachfrage ausrichten. Befürworter sprechen bereits von einer möglichen geldpolitischen Revolution.
Weiterlesen: Die besten Krypto Presales 2026
EIP-8361: So soll Ethereums Staking-Revolution funktionieren
EIP-8361 trägt den Namen „Tapered Issuance Burn“ und wurde von mehreren Ethereum-Forschern und Entwicklern eingereicht. Noch handelt es sich lediglich um einen Entwurf, nicht um eine beschlossene Netzwerkänderung. Das zentrale Ziel besteht darin, den automatischen Anreiz für eine immer weiter steigende Staking-Quote zu beseitigen.
Nach dem bisherigen Modell sinkt die Staking-Rendite zwar, wenn mehr ETH hinterlegt werden. Sie fällt jedoch selbst bei einer extrem hohen Beteiligung nicht vollständig auf null. Dadurch bleibt es grundsätzlich attraktiv, zusätzliches ETH zu staken. Die Autoren befürchten deshalb, dass langfristig ein immer größerer Anteil des Angebots in Validatoren, Liquid-Staking-Token und zentralisierten Staking-Anbietern gebunden wird.
🚨 New EIP: Tapered Issuance Burn
We just submitted an EIP to ethereum/EIPs: a minimal, market-driven fix to Ethereum's issuance policy removing the incentive for stake growth beyond 50% of ETH supply.
EIP-8361 by @pintail_xyz, @jdetychey, @dapplion, @pa7x1, @ladislaus0x &… pic.twitter.com/g1uzWPycQ4— Jerome de Tychey 🦇🔊 (@jdetychey) August 4, 2026
EIP-8361 würde einen Teil der theoretisch verdienten Consensus-Rewards abziehen und dauerhaft verbrennen. Je höher der Anteil der gestakten ETH, desto größer wäre dieser Abschlag. Bei einer Staking-Quote von rund 50 Prozent würde die neu ausgegebene Basisvergütung vollständig verbrannt, sodass die Nettoemission aus diesen Rewards auf null sinkt. Die individuelle Leistung eines Validators bliebe dennoch relevant: Wer seine Aufgaben korrekt erfüllt, würde weiterhin besser abschneiden als ein inaktiver oder fehlerhafter Validator.
Nach den Berechnungen der Initiatoren soll die jährliche Emission zunächst bei einer Staking-Quote von ungefähr 20 Prozent ihren Höchststand von rund 0,5 Prozent erreichen und danach kontinuierlich zurückgehen. Bei etwa 50 Prozent wäre schließlich keine zusätzliche Nettoausgabe mehr vorgesehen.
Die Umstellung soll nicht abrupt erfolgen. Vorgesehen ist eine Übergangsphase von 18 Monaten, hinzu käme die übliche Vorlaufzeit bis zu einer möglichen Aktivierung. Damit hätten Validatoren, Staking-Dienste und DeFi-Protokolle grundsätzlich Zeit, ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Das Ergebnis wäre eine stärker marktorientierte Staking-Rendite: Gestakt würde nur noch so lange, bis die verbleibende Rendite das Risiko, die Kapitalbindung und die Betriebskosten ausreichend kompensiert.
Aave-Gründer warnt: Wird ETH als Rendite-Asset beschädigt?
Der Vorschlag sorgt dennoch für erhebliche Unsicherheit. Besonders deutlich äußerte sich Aave-Gründer Stani Kulechov. Nach seiner Auffassung könnte EIP-8361 genau das Gegenteil des gewünschten Ergebnisses bewirken und Ethereum als Anlage- und DeFi-Asset schwächen.
Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die schlechtere Planbarkeit der Staking-Rendite. Für institutionelle Investoren ist ETH nicht nur ein spekulativer Vermögenswert, sondern zunehmend auch ein produktives Asset mit laufenden Erträgen. Wenn die Basisrendite bei steigender Staking-Quote bis auf null sinken kann, wären zukünftige Cashflows schwieriger einzuschätzen. Institutionen könnten deshalb Netzwerke oder Anlageformen bevorzugen, deren Renditen berechenbarer erscheinen.
Unfortunately this proposal doesn't achieve the outcome it tries to achieve and is actually hurtful for Ethereum.
It caps Ethereum staking rewards to 0% when over 50% of supply staked.
What this mean is that Ethereum staking yield becomes unpredictable and even fully… https://t.co/IYUst52Dt3
— Stani (@StaniKulechov) August 4, 2026
Auch für den DeFi-Sektor wären Konsequenzen denkbar. Viele Strategien basieren darauf, ETH oder Liquid-Staking-Token als Sicherheit zu hinterlegen, Kapital aufzunehmen und die Renditedifferenz mehrfach zu nutzen. Solche „Looping“-Strategien erhöhen die Nachfrage nach ETH-Krediten und sorgen bei Plattformen wie Aave, Morpho oder Pendle für Aktivität. Sinkt die Staking-Rendite stark, könnten diese Konstruktionen wirtschaftlich unattraktiver werden. Kulechov warnt daher vor geringerer Kreditnachfrage und einer möglichen Abwanderung in Stablecoins oder andere renditetragende Assets.
Everyone's arguing about EIP-8361 killing ETH credit stack
Worth asking: what do loopign strategies actually do?
The bull case: loopers are the anchor borrower of ETH credit markets. They keep utilization deep, arb LSTs to par, and give ETH a real rate curve. @aave , @Morpho ,… https://t.co/u8DIr2RZ2m pic.twitter.com/lm96THndUg
— Lorenzo Valente (@LorenzoARK) August 4, 2026
Lorenzo Valente von ARK ordnet die Debatte differenzierter ein. Aus bullischer Sicht bilden Looping-Strategien einen wichtigen Anker für den Ethereum-Kreditmarkt: Sie erhöhen die Auslastung, stabilisieren Liquid-Staking-Token und schaffen eine Art ETH-Zinskurve. Kritiker sehen darin jedoch überwiegend zirkulären Hebel. Nutzer leihen ETH, um weitere Ansprüche auf ETH-Staking-Erträge zu erwerben – ohne dass dadurch zwangsläufig zusätzliche wirtschaftliche Produktivität entsteht.
Damit prallen zwei Ethereum-Visionen aufeinander: ETH als produktives, verzinsliches „Internet-Bond“-Asset und ETH als möglichst neutrales, knappes Wertaufbewahrungsmittel. EIP-8361 würde eindeutig die zweite Variante stärken.
Weniger Emission schützt passive Halter vor Verwässerung, könnte aber gleichzeitig den Kredit- und Renditemarkt schwächen. Ob die Reform langfristig bullisch oder schädlich wäre, hängt somit davon ab, welche Rolle Ethereum künftig priorisieren möchte.
Mehr erfahren: Neue Kryptowährungen für 2026 im Überblick
Zuletzt aktualisiert am 5. August 2026



Fragen und Antworten
Sie haben eine Frage? Unser Experten-Panel beantwortet gerne Ihre Fragen.