Eine neue Untersuchung des Forbes Magazine sorgt für erhebliche Unruhe im Kryptomarkt. Im Zentrum der Kritik stehen die beiden mit dem Trump-Umfeld verbundenen Krypto-Projekte WLFI und der Stablecoin USD1, die laut Forbes in einer bislang einzigartigen Struktur eng mit der Kryptobörse Binance verflochten sind. Analysten sprechen von ungewöhnlichen Machtkonzentrationen, politischen Interessenkonflikten und potenziellen systemischen Risiken.
Binance kontrolliert den Großteil von USD1
Nach einer Analyse von Blockchain-Daten hält Binance rund 87 Prozent des gesamten USD1-Angebots. Konkret befinden sich etwa 4,7 Milliarden US-Dollar der insgesamt 5,4 Milliarden USD1 entweder in Binance-eigenen Wallets oder in Konten der Nutzer auf der Plattform. Eine derart hohe Konzentration bei einer einzelnen Börse ist unter den zehn größten Stablecoins bislang ohne Beispiel.
Forbes betont, dass kein anderer großer Stablecoin eine vergleichbare Abhängigkeit von einer einzelnen Handelsplattform aufweist. Kritiker warnen, dass dies Binance faktisch erheblichen Einfluss auf die Stabilität und Liquidität von USD1 verschafft.
Politische und wirtschaftliche Verflechtungen
USD1 wird von World Liberty Financial ausgegeben, einem Krypto-Unternehmen, das direkt mit der Trump-Familie verbunden ist. Eine Trump-nahe LLC hält laut Unternehmensangaben 38 Prozent der Gesellschaft und erhält 75 Prozent der Erlöse aus dem Verkauf des Governance-Tokens WLFI. Donald Trump selbst wird als „Co-Founder Emeritus“ geführt, gemeinsam mit Donald Trump Jr., Eric Trump und Barron Trump.

Besonders brisant ist die Tatsache, dass Binance-Gründer Changpeng Zhao, der 2023 wegen Verstößen gegen Geldwäscheauflagen schuldig bekannte, im Oktober von Donald Trump begnadigt wurde. Kurz darauf intensivierte Binance die Zusammenarbeit mit World Liberty Financial erheblich.
USD1 als Renditeinstrument statt klassischer Stablecoin?
Offiziell ist USD1 als 1:1 durch US-Dollar gedeckter Stablecoin konzipiert. Die hinterlegten Reserven werden jedoch überwiegend in US-Staatsanleihen mit rund 3,6 Prozent Rendite investiert. Die Zinserträge fließen an die Eigentümer von World Liberty Financial, also indirekt auch an Trump-nahe Strukturen.
Ein zentraler Kritikpunkt: Im Mai nutzte ein staatlicher Fonds aus Abu Dhabi 2 Milliarden USD1, um in Binance zu investieren. Damit wurden große Teile der Stablecoin-Reserven direkt bei der Börse platziert, die heute den Großteil der Umlaufmenge kontrolliert. Im Dezember wandelte Binance zudem Sicherheiten des auslaufenden Stablecoins BUSD in USD1 um und integrierte diesen tief in die eigene Kollateralstruktur.
WLFI-Token, Promotions und geschlossene Kreisläufe
Parallel startete Binance eine Promotion, bei der USD1-Halter WLFI-Token im Wert von 40 Millionen US-Dollar erhielten. Kurz darauf transferierte World Liberty Financial 235 Millionen WLFI-Token an Binance. Kritiker sehen darin einen geschlossenen Kreislauf aus Stablecoin-Reserven, Börsenliquidität und Governance-Token-Verteilung.
Der frühere SEC-Berater Corey Frayer äußerte gegenüber Forbes die Einschätzung, USD1 sei möglicherweise nie als neutraler Stablecoin gedacht gewesen, sondern als „Vehikel zur Kapitalumleitung“. Die enge Verzahnung von politischem Einfluss, Börsenmacht und Token-Ökonomie berge erhebliche Risiken, etwa im Fall einer Insolvenz oder regulatorischer Eingriffe.
Untersuchung durch US-Kongress läuft
Die wachsende Kritik bleibt nicht folgenlos. Ein US-Kongressabgeordneter hat eine formelle Untersuchung eingeleitet und World Liberty Financial eine Frist bis zum 1. März gesetzt, um umfassende Unterlagen vorzulegen. Im Fokus steht unter anderem die Frage, ob politische Entscheidungen durch wirtschaftliche Beteiligungen beeinflusst wurden.
World Liberty Financial und Binance weisen die Vorwürfe zurück. Beide Unternehmen sprechen von branchenüblichen Listings und Promotions. Das Weiße Haus erklärte, Donald Trump werde keine Interessenkonflikte eingehen.
Die Forbes-Recherchen werfen ein kritisches Licht auf die Struktur rund um WLFI und USD1. Die extreme Konzentration von USD1 bei Binance, kombiniert mit politischen Verflechtungen und aggressiven Anreizprogrammen, hebt das Projekt deutlich von klassischen Stablecoin-Modellen ab. Ob es sich um ein legitimes Finanzprodukt oder um ein hochriskantes Konstrukt handelt, dürfte in den kommenden Wochen verstärkt Gegenstand regulatorischer und politischer Debatten werden.
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Zuletzt aktualisiert am 10. Februar 2026



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