
Frankreich verzeichnet in diesem Jahr bereits 77 krypto-bezogene Entführungen, Freiheitsberaubungen und Erpressungsfälle – rund 71 Prozent mehr als 2025, als 45 vergleichbare Fälle registriert wurden. Interior-Minister Laurent Nuñez bestätigte die Zahlen gegenüber Le Parisien und AFP am 30. Juni und machte damit das Ausmaß einer Bedrohungswelle sichtbar, die Krypto-Sicherheit grundlegend neu definiert.
Genau hier liegt die strukturelle Verschiebung: Nicht die Wallet wird angegriffen, sondern der Mensch dahinter. Wer öffentlich als Krypto-Inhaber identifizierbar ist, wird zum potenziellen Ziel physischer Gewalt – und kein Hardware-Wallet schützt davor.
71 Prozent mehr Fälle – Nuñez kündigt Drei-Achsen-Strategie an
Laut Nuñez wurden seit Jahresbeginn 200 Personen festgenommen – teils nach Vorfällen, teils präventiv. Zusätzlich sind bereits 724 Krypto-Akteure in Sofortidentifikationssysteme eingetragen, die Notfalldiensten eine schnellere Erkennung von Hochrisiko-Personen ermöglichen sollen. Die Reaktion der Behörden folgt drei Achsen: verstärkter Informationsaustausch zwischen Geheimdiensten und Strafverfolgung, ein Expertennetzwerk gemeinsam mit dem Branchenverband ADAN, sowie eine engere operative Koordination mit ausländischen Behörden, da Auftraggeber häufig außerhalb Frankreichs sitzen.

Bereits im Mai 2025 hatte das Innenministerium erste Schutzmaßnahmen für die Krypto-Branche vorgestellt – darunter prioritären Notrufzugang, Sicherheitsaudits für exponierte Personen sowie Briefings durch die Eliteeinheiten GIGN, RAID und BRI. Die Zahlen vom 30. Juni zeigen, dass diese Architektur nun formalisiert wird.
Physische Gewalt als neue Angriffsfläche – weltweiter Trend
Der Fall des Ledger-Mitgründers David Balland illustriert, was auf dem Spiel steht: Die Gendarmerie koordinierte eine Reaktion mit mehr als 230 Gendarmen, GIGN-Einsatz, Cyber-Spezialisten sowie der Rückverfolgung und dem Einfrieren von Krypto-Lösegeldzahlungen on-chain. Digital und physisch waren dabei Teile desselben Falls.
Das Sicherheitsunternehmen CertiK meldete für 2025 weltweit 72 verifizierte physische Nötigungsvorfälle – ein Anstieg von 75 Prozent gegenüber 2024. Besonders alarmierend: Körperliche Angriffe stiegen laut CertiK um 250 Prozent im Jahresvergleich. Chainalysis warnte im Intro seines 2026 Crypto Crime Reports, dass physische Zwangsmaßnahmen zunehmend mit On-Chain-Aktivitäten verknüpft werden. Die Methodiken der Forscher und der französischen Behörden unterscheiden sich – die Richtung zeigen beide Datensätze dennoch klar an.
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Datenspur als Einfallstor – und was Behörden dagegen tun
Die eigentliche Schwachstelle ist nicht die Blockchain, sondern die persönliche Datenspur: öffentliche Unternehmensregistereinträge mit Privatadresse, sichtbare Executive-Rollen auf LinkedIn, Konferenzauftritte, Social-Media-Posts über Krypto-Bestände oder geleakte KYC-Daten aus Börsen-Datenbanken. Frankreich hat bereits mit einem 2025 verabschiedeten Dekret reagiert, das auf Légifrance veröffentlicht wurde: Unternehmensverantwortliche können seitdem beantragen, dass Privatanschriften in Handelsregistereinträgen vertraulich bleiben.
Für Unternehmen und sichtbare Halter bedeutet das eine klare Konsequenz: Reisemuster, öffentliche Auftritte, Wohnadressen und Notfallkommunikationskanäle müssen als Teil der Sicherheitsarchitektur behandelt werden – nicht nur Cold Storage und Multisig. Hardware-Wallets und Custody-Controls reduzieren das Risiko eines digitalen Angriffs; gegen physischen Zwang schützen sie allein nicht.
Warnsignal oder Einzelfall? Frankreichs Zahlen und die parallelen globalen Daten von CertiK und Chainalysis legen nahe: Es handelt sich um einen strukturellen Trend. Der MiCA-Rahmen für EU-Kryptoanbieter adressiert Compliance und Anlegerschutz – physische Sicherheitsrisiken für identifizierbare Krypto-Akteure fallen bislang in eine regulatorische Lücke, die europäische Behörden nun schrittweise schließen wollen.
Zuletzt aktualisiert am 3. Juli 2026




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