
MicroStrategy verliert nach Einschätzung von Bitwise-Chefinvestor Matt Hougan seine Rolle als wichtigster Bitcoin-Käufer der Welt – ausgelöst durch den Zusammenbruch des unternehmenseigenen Perpetual-Preferred-Stock-Angebots STRC (Stretch), das von seinem Ausgabepreis von 100 US-Dollar auf unter 75 US-Dollar abgestürzt ist. Der Vorfall markiert nach Hougan nicht das Ende von MicroStrategys Bitcoin-Engagement, wohl aber das Ende einer Ära.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigt die Analyse: MicroStrategys Bilanz ist weit weniger fragil, als der Kurseinbruch vermuten lässt – und die eigentliche Botschaft richtet sich an die nächste Generation institutioneller Bitcoin-Käufer.
STRC-Einbruch erschüttert MicroStrategys Finanzierungsmodell
Der STRC-Kurseinbruch traf den Markt in einem ohnehin angespannten Umfeld: Am 25. Juni 2026 fiel Bitcoin auf ein 21-Monats-Tief von 58.190 US-Dollar, was die Nervosität rund um MicroStrategys Dividendenmodell zusätzlich verstärkte. Das Unternehmen reagierte, indem es sich verpflichtete, bei Bedarf Bitcoin zu verkaufen, um Dividenden zu finanzieren, und seine US-Dollar-Reserve auf 2,55 Milliarden US-Dollar ausdehnte.
Genau dieser Schritt schwächt laut Hougan die strategische Position des Unternehmens: Wer Bitcoin verkauft, um Dividenden zu bedienen, kann nicht mehr als uneingeschränkt bullischer Akkumulator auftreten. „For years, Strategy has been the most dominant Bitcoin buyer in the world and a one-way source of Bitcoin demand. Those days are likely over,“ erklärte Hougan am Donnerstag.
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Klassische Spätzyklusdynamik: Hougan vergleicht STRC mit GBTC-Kollaps 2021
Hougan ordnet den STRC-Vorfall als strukturelles Marktphänomen ein, nicht als Einzelfall. Er beschreibt ihn als „classic end-of-cycle dynamics“ und zieht eine direkte Parallele zum Zusammenbruch der Grayscale-GBTC-Prämie im Jahr 2021 – einem anderen Fall von Financial Engineering, der am Ende des Bullenzyklus implodierte.
„Money searching for high yields and low volatility was used to buy Bitcoin, which offers neither. This money never really fit Bitcoin. And so, it needs to be cleared out before we can find a bottom. That’s what’s happening today,“ so Hougan. Das STRC-Angebot versprach hohe Renditen bei niedriger Volatilität – ein Versprechen, das mit dem Wesen von Bitcoin strukturell unvereinbar ist.
Damit formuliert Hougan eine klare Marktthese: Der aktuelle Schmerz ist heilsam. Kapital, das nie in Bitcoin gehörte, verlässt den Markt – und schafft so die Voraussetzung für eine gesündere Nachfragebasis.
Institutionelle Investoren sollen MicroStrategys Rolle übernehmen
An die Stelle von MicroStrategy als primärem Nachfreiber sollen laut Hougan Investmentbanken, Asset Manager, Pensionsfonds, Stiftungen und Staatsfonds treten. „I just expect it to be a less important figure in Bitcoin in the next cycle than it was in the last,“ erklärte der Bitwise-CIO. MicroStrategy werde im nächsten Bullrun zwar weiterhin Nettokäufer bleiben – aber eben einer unter vielen, nicht mehr die dominierende Kraft.

Diese Einschätzung deckt sich mit dem strukturellen Wandel der Bitcoin-Nachfrage im zweiten Halbjahr 2026, bei dem institutionelle Investoren zunehmend als eigenständige Käufergruppe auftreten.
Liquiditätsrisiko? Strive-CEO und Hougan widersprechen der Panikreaktionen
Trotz der negativen Marktstimmung stufen sowohl Hougan als auch Strive-CEO Matt Cole das tatsächliche Liquiditätsrisiko als begrenzt ein. MicroStrategy hält 847.363 Bitcoin – das entspricht 4 Prozent des gesamten Bitcoin-Angebots – und steht 52 Milliarden US-Dollar an liquiden Vermögenswerten lediglich 7 Milliarden US-Dollar Schulden gegenüber.
Hougan rechnet vor: Bitcoin müsste um weitere 70 Prozent auf rund 18.500 US-Dollar fallen, bevor MicroStrategy in ernsthafte Liquiditätsnot geriete. Mit dem heutigen Bitcoin-Bestand könnte das Unternehmen die STRC-Dividenden für die nächsten 28 Jahre abdecken.
Cole argumentiert zudem, dass die mediale Aufmerksamkeit für den STRC-Vorfall übertrieben sei. „If one person owned 4%, you don’t even have to report that publicly to the SEC because the SEC deems 4% to be immaterial. They start to view a position to be material at 5%,“ sagte Cole gegenüber NovaDius Wealth Management-Präsident Nate Geraci. MicroStrategys 4-Prozent-Anteil am Bitcoin-Angebot liegt also formal unterhalb der SEC-Wesentlichkeitsschwelle.
Genau deshalb ist die eigentliche Frage nicht, ob MicroStrategy kollabiert – sondern wer die Nachfragelücke füllt, sobald das Unternehmen aus seiner Rolle als dominanter Akkumulator heraustritt. Die Antwort, die Hougan und Bitwise geben, ist klar: die institutionelle Finanzwelt. Ob Pensionsfonds und Staatsfonds tatsächlich in der nächsten Marktphase als verlässliche Bitcoin-Käufer auftreten, wird sich an den ETF-Zuflüssen und neuen Treasury-Allokationen ablesen lassen.
Zuletzt aktualisiert am 3. Juli 2026




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