In den vergangenen Monaten dominierte vor allem ein Narrativ die Finanzmärkte: künstliche Intelligenz. Der AI-Hype zog enorme Kapitalströme an – nicht nur in große Tech-Aktien, sondern auch in spezialisierte Infrastruktur- und Chip-Unternehmen. Im Zuge dieser Entwicklung verlor der Kryptomarkt zeitweise an relativer Aufmerksamkeit. Kapital wurde umgeschichtet, Risikobudgets neu verteilt.
Doch während viele Marktteilnehmer primär auf AI-Equities blickten, könnten im Hintergrund strukturelle Schnittstellen zwischen Blockchain und KI entstehen, die bislang unterschätzt werden. Genau hier setzt eine neue Initiative von OpenAI an – dem Entwickler von ChatGPT – die das Potenzial hat, die Sicherheitsarchitektur dezentraler Systeme nachhaltig zu verändern.
EVMbench: KI-Agenten im Härtetest für Smart Contracts
Gemeinsam mit dem Krypto-Investmentunternehmen Paradigm hat OpenAI nun EVMbench vorgestellt – ein Benchmark-Framework zur Messung der Fähigkeiten von KI-Agenten im Umgang mit Smart-Contract-Sicherheitslücken. Hintergrund: Smart Contracts sichern inzwischen Vermögenswerte im Wert von weit über 100 Milliarden US-Dollar in offenen Blockchain-Systemen. Mit steigender Leistungsfähigkeit von KI-Modellen wächst damit auch die Relevanz, ihre Kompetenzen in realitätsnahen, ökonomisch bedeutsamen Umgebungen systematisch zu testen.
Introducing EVMbench—a new benchmark that measures how well AI agents can detect, exploit, and patch high-severity smart contract vulnerabilities. https://t.co/op5zufgAGH
— OpenAI (@OpenAI) February 18, 2026
EVMbench basiert auf 120 kuratierten Schwachstellen aus 40 professionellen Audits, viele davon aus renommierten Code-Audit-Wettbewerben. Zusätzlich integriert der Benchmark Szenarien aus dem Audit-Prozess der Tempo-Blockchain – einer speziell entwickelten Layer-1-Infrastruktur für hochvolumige, kostengünstige Stablecoin-Zahlungen. Damit erweitert EVMbench die Testumgebung gezielt in Richtung payment-orientierter Smart Contracts – ein Bereich, der angesichts wachsender Stablecoin-Adoption strategisch an Bedeutung gewinnt.
Das Framework bewertet KI-Agenten in drei klar definierten Modi: „Detect“, „Patch“ und „Exploit“. Im Detect-Modus müssen Modelle Sicherheitslücken in Code-Repos identifizieren und werden anhand der Übereinstimmung mit menschlichen Auditoren bewertet. Im Patch-Modus sollen sie Schwachstellen beheben, ohne die Funktionalität des Vertrags zu zerstören. Besonders brisant ist der Exploit-Modus: Hier führen Agenten vollständige, fondsabziehende Angriffe in einer isolierten Sandbox-Blockchain aus – mit automatisierter Transaktionsüberprüfung.
Bemerkenswert sind die ersten Ergebnisse: GPT-5.3-Codex erreichte im Exploit-Modus eine Erfolgsquote von 72,2 %, während das nur wenige Monate ältere GPT-5 bei 31,9 % lag. Die Fortschrittsdynamik ist erheblich – gleichzeitig zeigen Detect- und Patch-Ergebnisse, dass vollständige Abdeckung komplexer Sicherheitslücken weiterhin eine Herausforderung bleibt.
Dual-Use-Risiko und strategische Bedeutung für das Krypto-Ökosystem
EVMbench offenbart nicht nur Leistungszuwächse, sondern auch strukturelle Unterschiede im Verhalten der Modelle. Während KI-Agenten im Exploit-Szenario besonders effektiv agieren – mit klar definiertem Ziel, etwa dem „Drain“ von Geldern – schneiden sie im umfassenden Auditieren und sauberen Patchen schwächer ab. Gerade das vollständige Erhalten der ursprünglichen Funktionalität bei gleichzeitiger Beseitigung subtiler Schwachstellen erweist sich als komplex.
Die Initiative ist dabei bewusst als zweischneidiges Schwert konzipiert. Cybersecurity im Blockchain-Bereich ist inhärent „dual use“: Verbesserte Angriffsmodelle erhöhen theoretisch auch das Missbrauchspotenzial. OpenAI betont daher einen evidenzbasierten, iterativen Ansatz mit verstärkten Sicherheitsmechanismen, Monitoring-Systemen und eingeschränktem Zugriff auf besonders leistungsfähige Funktionen.
Parallel werden Verteidigungsinitiativen ausgebaut – etwa durch API-Credits im Umfang von 10 Millionen US-Dollar für sicherheitsorientierte Projekte sowie durch Programme zur Unterstützung von Open-Source-Maintainers.
very interesting to see @OpenAI experimenting with EVM. and you say crypto isn’t mainstream? https://t.co/UMLQy59qLN
— abi (@0xabi96) February 18, 2026
Strategisch betrachtet könnte EVMbench jedoch mehr sein als nur ein technisches Evaluierungstool. Es signalisiert, dass KI-Agenten zunehmend in der Lage sind, reale ökonomische Systeme zu analysieren und aktiv zu beeinflussen. Für das Krypto-Ökosystem bedeutet das zweierlei: Zum einen steigt der Druck auf Entwickler, AI-gestützte Audits in Standard-Workflows zu integrieren. Zum anderen entsteht eine neue Sicherheits-Metaebene, in der KI nicht nur als potenzieller Angreifer, sondern vor allem als skalierbarer Verteidigungsmechanismus fungiert.
In einem Marktumfeld, das KI bislang vor allem als Konkurrenz um Kapital wahrgenommen hat, zeigt sich hier eine tiefere Konvergenz: Die nächste Evolutionsstufe von Blockchain-Sicherheit könnte maßgeblich durch künstliche Intelligenz geprägt werden – nicht als Gegenspieler, sondern als integraler Bestandteil resilienter, dezentraler Infrastrukturen.
Das würde dann bestenfalls Synergiepotenziale freisetzen – und wäre bullisch für AI und Krypto Prognosen.
Zuletzt aktualisiert am 20. Februar 2026



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