XRP auf 20 US-Dollar? So realistisch ist die neue Ripple-Prognose

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XRP notiert aktuell bei rund 2,20 US-Dollar und hat damit sein Allzeithoch von etwa 3,84 US-Dollar aus dem Januar 2018 noch immer deutlich verfehlt. Während der Kurs seit Jahresbeginn knapp 24 Prozent nachgegeben hat, kursieren in der Community zunehmend bullische Kursziele von 20, 27 oder gar 10.000 US-Dollar. Doch wie belastbar sind diese Prognosen – und was sagt ausgerechnet ein ehemaliger Ripple-Insider dazu?

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Die Prognose: 20 Dollar als Zyklusnorm?

In der XRP-Community häufen sich seit Wochen ambitionierte Kursziele. Analysten wie EGRAG CRYPTO und der X-Nutzer „XRPunkie“ veröffentlichten Charts, die auf ein Kursziel zwischen 20 und 27 US-Dollar bis Ende des laufenden Marktzyklus hindeuten. Als technische Grundlage dient unter anderem ein Ausbruch aus einem jahrelangen Widerstandsbereich sowie ein inverses Kopf-Schulter-Muster, das Analyst Ali Martinez identifiziert hatte.

Besonders viral ging dabei ein Szenario, das auf dem Bewertungsmodell des Analysten Chris Burniske basiert. Das Modell nutzt die Formel Price = PQ / (V × S) – also Preisniveau, Transaktionsvolumen, Umlaufgeschwindigkeit und Angebot – und gelangt unter optimistischen Annahmen zu einem theoretischen Kursziel von bis zu 10.000 US-Dollar. Selbst wer diese Extremprognose skeptisch beäugt, könnte darin ein Argument für deutlich höhere Kurse als heute sehen.

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Schwartz‘ Gegenrechnung: Der Markt glaubt es selbst nicht

Genau hier kommt David Schwartz ins Spiel – und sein Argument ist so einfach wie ernüchternd. Der ehemalige CTO von Ripple Labs formulierte es auf X so: „Wenn es ein paar sehr reiche, sehr rationale Menschen gäbe, die wirklich daran glauben würden, dass die Wahrscheinlichkeit, dass XRP in zehn Jahren 10.000 US-Dollar erreicht, bei 1 Prozent liegt, würden sie den Kurs von XRP schon heute auf mindestens 20 Dollar treiben.“

Der Schlusspunkt seiner Argumentation folgte mit einer rhetorischen Frage: „Warum tun sie das nicht? Eine Verschwörung?“ Das ist keine Kritik an XRP als Projekt – sondern ein klassischer Effizienzmarkt-Gedankengang. Wenn eine Wahrscheinlichkeit von nur einem Prozent auf einen 10.000-Dollar-Kurs reicht, um einen fairen Wert von 20 Dollar zu rechtfertigen, dann signalisiert der aktuelle Marktpreis, dass dieser Markt diese Wahrscheinlichkeit nicht für realistisch hält.

Allerdings ist der Kryptomarkt bekannt dafür, nicht effizient zu sein. Liquiditätsmangel, Sentiment-getriebene Bewegungen und fehlende institutionelle Tiefe verzerren Preisfindungsprozesse erheblich. Das entkräftet Schwartz‘ Argument nicht vollständig – schränkt aber seinen Allgemeingültigkeitsanspruch ein.

Warum das Kursziel 20 Dollar strukturell ambitioniert bleibt

Ein Blick auf die Marktkapitalisierung macht deutlich, welche Dimensionen ein Kurs von 20 US-Dollar erfordern würde. Bei einem Gesamtangebot von rund 57 Milliarden XRP würde ein Preis von 20 Dollar eine Marktkapitalisierung von etwa 1,14 Billionen US-Dollar bedeuten – also in der Größenordnung des gesamten Kryptomarkts, wie er sich 2023 darstellte. Zum Vergleich: Selbst auf dem Höhepunkt des letzten Bullruns im November 2021 erreichte XRP nie mehr als rund 3,84 Dollar.

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Hinzu kommt ein struktureller Faktor, der oft unterschätzt wird: Ripple Labs hält selbst rund 42 Milliarden XRP – zum aktuellen Kurs einen Gegenwert von etwa 57 Milliarden US-Dollar. Bei stark steigenden Kursen entsteht für das Unternehmen ein erheblicher Anreiz, Bestände zu verkaufen und Liquidität in den Markt zu drücken. Dieses Angebotspotenzial wirkt als natürliche Bremse bei Rallyes. CEO Brad Garlinghouse betonte zwar auf einer Konferenz: „Wir werden auch weiterhin das größte Interesse daran haben, dass XRP gewinnt“ – doch Interessen und Marktmechanismen folgen nicht immer derselben Logik.

Schwartz selbst fügte im breiteren Kontext der Debatte noch einen bemerkenswerten Satz hinzu: „Man ist sich viel eher einig, dass die meisten Kryptowährungen Scams sind, als darüber, welche davon keine sind.“ Eine Einschätzung, die auch für XRP-Investoren zur Reflexion einlädt.

Was XRP tatsächlich antreiben könnte

Trotz aller Skepsis gegenüber dreistelligen Kurszielen gibt es reale Katalysatoren, die XRP in den kommenden Monaten bewegen könnten. Auf regulatorischer Ebene hat das Teilurteil im SEC-Verfahren von 2023 klargestellt, dass XRP-Verkäufe auf Sekundärmärkten nicht als Wertpapierhandel gelten – ein strukturell wichtiges Signal für institutionelle Akteure, die zuvor aufgrund rechtlicher Unsicherheiten ferngeblieben waren.

Darüber hinaus gewinnt die Nutzung des XRP Ledger im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr langsam an Substanz. Mehrere Banken und Finanzdienstleister testen oder nutzen Ripple-Produkte für internationale Transfers – ein fundamentaler Treiber, der unabhängig von spekulativen Kursmodellen wirkt.

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Technisch entscheidend bleibt der Widerstandsbereich zwischen 5 und 6 US-Dollar. Analysten wie EGRAG CRYPTO und Dark Defender sind sich einig: Erst ein nachhaltiger Ausbruch über diese Zone würde das Potenzial für Kursbewegungen in Richtung 17 bis 27 US-Dollar ernsthaft eröffnen. Solange XRP unter diesem Niveau verharrt, bleiben ambitionierte Ziele spekulativer Natur.

Fazit

XRP befindet sich in einer Phase, in der fundamentale Entwicklungen und spekulative Narrative aufeinandertreffen. Das Kursziel von 20 US-Dollar ist nicht per se absurd – es setzt jedoch eine Kombination aus institutioneller Adoption, regulatorischer Klarheit und einem breiten Kryptomarkt-Bullenrun voraus, die in dieser Form bislang nicht eingetreten ist.

David Schwartz‘ Argument bleibt dabei das schärfste Gegengewicht: Ein Markt, der ernsthaft an solche Kursniveaus glaubte, würde bereits heute anders preisen. Dass er es nicht tut, ist kein Verschwörungsbeweis – aber ein klares Signal, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer diese Szenarien mit erheblichen Abschlägen versieht. Welche Seite recht behält, wird der Bereich um 5 bis 6 US-Dollar entscheiden.

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Martin SchwarzExperte für Kryptowährungen

Martin, mit einem MSc. in Wirtschaftsinformatik und Fokus auf asymmetrischer Kryptographie und M2M-Kommunikation, ist seit 2015 in der Welt von Bitcoin und Kryptowährungen unterwegs. Schon mit 17 begann er mit dem Handel von Kryptowährungen und erwarb seinen ersten Bitcoin. Neben seinem Interesse an Kryptowährungen widmet er sich in seiner Freizeit Online-Casinos und Sportwetten, wo er mit 18 Blackjack-Strategien entwickelte und sogenannte Sure-Bets durchführte. Seine Expertise dokumentierte er frühzeitig als Autor zu Themen wie Kryptowährungen, Trading, Aktien, Casinos und Sportwetten, wodurch er heute als gefragter Experte und Autor mit über 10 Jahren Erfahrung gilt.

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