
Binance, die weltweit größte Kryptobörse nach täglichem Handelsvolumen, steht vor dem drohenden Verlust ihres gesamten EU-Marktzugangs – laut einem Reuters-Bericht vom Dienstag will die griechische Aufsichtsbehörde die MiCA-Lizenz verweigern. Die Frist läuft am 30. Juni 2025 ab.
Genau hier liegt das Dilemma: Ohne eine gültige MiCA-Zulassung müsste Binance den Betrieb für Nutzer in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten einstellen – ein Szenario, das Marktbeobachter bis vor wenigen Wochen kaum für realistisch hielten.
Reuters-Bericht trifft Binance unvorbereitet
Reuters zitierte zwei mit der Sache vertraute Quellen, denen zufolge die Hellenic Capital Market Commission (HCMC) in Griechenland plant, Binances MiCA-Antrag abzulehnen. Binance hatte im Dezember 2024 eine Holdinggesellschaft in Griechenland gegründet und im Januar 2025 formell den Lizenzantrag bei der HCMC gestellt – mit der Absicht, Griechenland als paneuropäisches Hauptquartier zu etablieren.
Ein Binance-Sprecher widersprach der Reuters-Darstellung gegenüber Decrypt mit ungewöhnlicher Direktheit: „Our understanding is that the HCMC completed its review of the application and considered it compliant with MiCA requirements.“ Das Unternehmen betonte zudem, seit 18 Monaten konstruktiv mit den Regulierungsbehörden zusammenzuarbeiten.
Was eine Ablehnung konkret bedeutet
Ein positiver HCMC-Bescheid hätte Binance ermöglicht, seine Dienste per MiCA-Passporting auf alle EU-Staaten – darunter Deutschland, Frankreich und Spanien – auszudehnen. Bei einer Ablehnung greift Article 63 MiCA: Anbieter, die vor dem 30. Dezember 2024 legal tätig waren, können ihre Dienste bis spätestens 1. Juli 2026 fortführen, sofern keine frühere Entscheidung ergeht.
Das gibt Binance formal noch Puffer – aber kein regulatorisches Fundament. Binance erklärte auf X: „Our priority is to minimize disruption and keep users informed.“ In einem Blogpost bekräftigte die Börse, Europa bleibe „central to its long-term plans“.
Kein Einzelfall: Binances Regulierungsgeschichte in Europa
Eine MiCA-Ablehnung durch Griechenland wäre nicht das erste regulatorische Scheitern von Binance auf dem Kontinent. Die BaFin signalisierte bereits im Frühjahr 2023 intern, dass Binance keine Kryptoverwahrlizenz erhalten würde – den Antrag zog Binance daraufhin offiziell „proaktiv“ zurück. Ähnliche Rückzüge folgten in den Niederlanden und auf Zypern. In Frankreich laufen seit 2023 Ermittlungen wegen des Verdachts auf schwere Geldwäsche, obwohl Binance dort als PSAN registriert ist.
Genau dieses Muster macht den aktuellen Fall bedeutsam: Es ist kein administratives Missgeschick, sondern Ausdruck eines systematisch schwieriger werdenden regulatorischen Umfelds für die Börse. Analysten werten eine mögliche HCMC-Ablehnung als Präzedenzfall, der signalisiert, dass selbst Marktführer keine Schonbehandlung unter MiCA erwarten können.
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Wettbewerber in Startposition
Während Binances EU-Lizenz in der Schwebe hängt, verfolgt Coinbase eine aggressive Expansionsstrategie und hat seine MiCA-Zulassung bereits gesichert. Auch EU-native Anbieter stehen bereit, Marktanteile in Deutschland, Frankreich und Spanien zu übernehmen, falls Binance seinen Zugang verliert.
Parallel dazu versucht Binance offensiv, seine Einnahmequellen zu diversifizieren: Am Montag öffnete die Börse den Zugang zu mehr als 7.000 US-Aktien und ETFs für Nicht-US-Kunden, mit provisionsfreiem Handel und Bruchteilskäufen ab fünf US-Dollar. Co-CEO Richard Teng bezeichnete die Ambition als Aufbau einer „multi-asset financial super app“.
Entscheidung bis 30. Juni: Was Anleger jetzt wissen müssen
Die offizielle HCMC-Entscheidung sowie mögliche Klarstellungen der ESMA zu den Folgen für bestehende EU-Nutzerkonten werden in den kommenden Wochen richtungsweisend sein. Wer als EU-Anleger Binance aktiv nutzt, sollte die Mitteilungen der Börse aufmerksam verfolgen – Binance kündigte an, „weitere Details direkt bereitzustellen, sobald zusätzliche Informationen verfügbar sind“.
Die Kernfrage lautet: Ist die drohende Ablehnung ein verhandelbares Zwischensignal, oder markiert sie das Ende von Binances EU-Ambitionen unter MiCA? Antwort liefert nur die HCMC – und die Uhr tickt.
Zuletzt aktualisiert am 17. Juni 2026




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