Bitwise-CEO stellt Vier-Jahres-Zyklus infrage: Beginnt jetzt die institutionelle Ära?

Modern financial trading floor with Bitcoin charts showing institutional market stability

Der klassische Vier-Jahres-Zyklus galt jahrelang als verlässlichster Kompass im Krypto-Markt. Nun stellt Hunter Horsley, CEO von Bitwise Asset Management, dieses Fundament öffentlich infrage – und benennt institutionelles Kapital als den entscheidenden Treiber hinter einer strukturellen Zäsur.

Die These: Institutionelles Kapital bricht den Rhythmus

Horsley argumentiert, dass die Marktdynamik sich fundamental verändert hat – nicht graduell, sondern mit dem Eintritt regulierter Institutionen als dauerhafte Marktteilnehmer. Seiner Einschätzung nach ersetzt eine kontinuierliche Akkumulationslogik die alten Boom-und-Bust-Schwingungen, die das Halving-Ereignis einst zuverlässig ausgelöst hatte.

Der Hintergrund ist konkret: Mit den von der SEC genehmigten Bitcoin-Spot-ETFs im Januar 2024 erhielten Pensionsfonds, Family Offices und Vermögensverwalter erstmals einen regulierten Zugang über vertraute Finanzprodukte. Bitwise selbst verwaltet im Physical Bitcoin ETP (DE000A27Z304) mittlerweile über 690 Millionen Euro – ein Beleg dafür, wie schnell institutionelle Mandate in den Sektor geflossen sind. Hinzu kommen ausgeweitete Bitcoin-Futures-Angebote an der CME sowie beschleunigte Corporate-Treasury-Allokationen im Nachgang des Halvings 2024.

A hand holds a golden Bitcoin over a laptop with financial charts in the background.

Entscheidend ist dabei die Marktmikrostruktur: Institutionelle Teilnehmer handeln algorithmisch und über längere Zeithorizonte – das glättet die Volatilitätsspitzen, die früher FOMO-getriebene Retailwellen erzeugten. Wenn der Großteil des Kapitalzuflusses nicht mehr an Bullen-Stimmung gebunden ist, sondern an Portfoliogewichtung und regulatorische Compliance, verliert der klassische Zyklus seinen wichtigsten Transmissionsriemen.

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Gegenposition: Der Zyklus ist verlängert, nicht tot

Nicht alle Analysten teilen diese Einschätzung. On-Chain-Analysten von Glassnode verweisen darauf, dass die Angebotsverknappung durch das Halving als fundamentaler Mechanismus unverändert bleibt – und langfristige Zyklen weiterhin erkennbar seien, auch wenn die scharfen Spitzen der Vergangenheit ausbleiben. Die These lautet hier: Der Zyklus ist nicht gestorben, er hat sich gedehnt.

Tatsächlich zeigt der Verlauf seit 2022 ein zweideutiges Bild. Der erwartete Absturz nach dem letzten Allzeithoch fiel moderater aus als in früheren Zyklen – was Horsleyss Argument stützt. Gleichzeitig folgte die 2024-er Erholung zeitlich dem alten Halving-Muster, was Skeptiker als Kontinuität interpretieren. Beide Lesarten lassen sich mit denselben Daten belegen – das allein zeigt, wie sehr sich das analytische Fundament verschoben hat.

Bitcoin and Ethereum price charts with fluctuating green lines and trading volume data.
Photo by Bram van Oosterhout on Pexels

Parallel dazu verändert die regulatorische Klarheit durch MiCA in Europa den Rahmen. Wo früher Unsicherheit zyklische Kompression erzeugte, ermöglicht ein klarer Rechtsrahmen eine linearere Preisfindung – ein struktureller Effekt, der unabhängig vom Halving wirkt.

Timeline illustrating the MiCA legislation start dates and transitional periods.

Implikationen für Anleger: Neue Logik, neue Timing-Strategie

Wenn Horsley recht hat, sind klassische Timing-Strategien – kaufen kurz nach dem Halving, verkaufen zwölf bis achtzehn Monate später – strukturell weniger verlässlich geworden. Die Wall Street verändert die Krypto-Marktstruktur nicht nur durch Kapitalvolumen, sondern durch die Art, wie dieses Kapital platziert und gehalten wird – in Mandaten mit Quartalshorizonten, nicht in spekulativen Positionen mit Monatszeithorizont.

Analysten sprechen zunehmend von institutionellen Akkumulationsphasen von 18 bis 24 Monaten, die singuläre Bullenmarkt-Strukturen ablösen könnten. Das bedeutet für Privatanleger: Weniger ausgeprägte Hochpunkte, aber möglicherweise kürzere und flachere Korrekturphasen – ein anderes Risikoprofil, kein besseres oder schlechteres per se.

Entscheidend ist die Konsequenz für die Portfoliokonstruktion. Wer auf den „perfekten Einstieg nach dem Bärenmarkt“ wartet, könnte in einem institutionell geprägten Markt schlicht keinen vergleichbaren Einstiegspunkt mehr erhalten. Das Fenster tiefer Drawdowns dürfte strukturell schmaler werden – sofern der Institutionalisierungstrend anhält.

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Fazit: Strukturwandel ja – aber kein Freifahrtschein

Hunter Horsleys Einschätzung trifft einen realen Wandel. Die Marktstruktur ist durch ETF-Zulassungen, MiCA-Implementierung und beschleunigte Corporate-Treasury-Allokationen objektiv eine andere als 2017 oder 2021. Ob das den Vier-Jahres-Zyklus vollständig obsolet macht oder lediglich modifiziert, bleibt eine offene Frage – die Datenlage erlaubt beide Interpretationen.

Was feststeht: Die alten Faustregeln greifen seltener. Anleger, die ihre Strategie ausschließlich am historischen Halving-Kalender ausrichten, dürften in einem institutionell dominierten Markt zunehmend Überraschungen erleben. Gelingt die weitere Institutionalisierung ohne regulatorische Rückschläge, dürfte sich das Marktgefüge weiter von Zyklus-Logik entfernen. Bremst dagegen regulatorische Fragmentierung den institutionellen Zufluss, könnte Retail-getriebene Volatilität zurückkehren – und mit ihr der Zyklus.

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Zuletzt aktualisiert am 7. Mai 2026

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Martin SchwarzExperte für Kryptowährungen

Martin, mit einem MSc. in Wirtschaftsinformatik und Fokus auf asymmetrischer Kryptographie und M2M-Kommunikation, ist seit 2015 in der Welt von Bitcoin und Kryptowährungen unterwegs. Schon mit 17 begann er mit dem Handel von Kryptowährungen und erwarb seinen ersten Bitcoin. Neben seinem Interesse an Kryptowährungen widmet er sich in seiner Freizeit Online-Casinos und Sportwetten, wo er mit 18 Blackjack-Strategien entwickelte und sogenannte Sure-Bets durchführte. Seine Expertise dokumentierte er frühzeitig als Autor zu Themen wie Kryptowährungen, Trading, Aktien, Casinos und Sportwetten, wodurch er heute als gefragter Experte und Autor mit über 10 Jahren Erfahrung gilt.

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