
Scott Bessent, Finanzminister der Trump-Regierung, hat am Donnerstag in einer Pressekonferenz die Haltung der USA zu digitalen Zentralbankwährungen erneut unmissverständlich klargestellt: Unter Präsident Trump wird es keine CBDC geben. Damit bekräftigt die Administration einen Kurs, den sie seit dem ersten Tag konsequent verfolgt.
Bessent forderte zugleich den Kongress auf, den sogenannten Clarity Act zügig zu verabschieden – jenes Gesetzesvorhaben, das klare Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktbehörde CFTC für digitale Vermögenswerte schaffen soll. Damit signalisiert das Finanzministerium, dass die Anti-CBDC-Haltung kein isoliertes Statement ist, sondern Teil einer kohärenten regulatorischen Agenda.
Exekutivorder und gesetzliche Verankerung: Die CBDC-Ablehnung hat System
Die Grundlage für Bessents Aussagen liegt bereits in einem weitreichenden Kryptokurs der Trump-Administration: Am 23. Januar 2025 unterzeichnete Trump eine Exekutivorder, die Bundesbehörden ausdrücklich untersagt, eine US-amerikanische CBDC zu entwickeln, einzuführen oder zu fördern. Die Order begründet das Verbot damit, dass digitale Zentralbankwährungen die Stabilität des Finanzsystems, die Privatsphäre der Bürger und die Souveränität der USA gefährden würden.
Noch einen Schritt weiter geht der No CBDC Act, den Senator Mike Lee (R-UT) gemeinsam mit Ted Cruz und Rick Scott im Februar 2025 eingebracht hat. Das Gesetz soll Trumps exekutive Anordnung dauerhaft im Bundesrecht verankern und der Federal Reserve sowie anderen Bundesbehörden jede Form der CBDC-Emission – direkt oder intermediiert – untersagen. Damit würde das Verbot unabhängig von künftigen Regierungswechseln Bestand haben.
Bemerkenswert ist, dass die Definition von CBDC in der Exekutivorder bewusst breit gefasst wurde: Als digitales Geld, das eine direkte Verbindlichkeit der Zentralbank darstellt, könnte sie technisch gesehen auch bestehende Fed-Infrastruktur wie das Großzahlungssystem Fedwire erfassen. Analysten warnen, dass diese Reichweite unbeabsichtigte Konsequenzen für künftige Modernisierungen der Zentralbankinfrastruktur haben könnte.
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Stablecoins als Gewinner: Dollar-Dominanz auf privatem Weg
Die Anti-CBDC-Haltung ist nicht einfach eine Absage an die Digitalisierung des Dollars – sie ist eine bewusste Weichenstellung zugunsten privater Alternativen. Die Trump-Administration setzt explizit auf dollar-gedeckte Stablecoins als Instrument zur Wahrung der globalen Dollarhegemonie. Bessent selbst hat das Ziel formuliert, das „günstigste regulatorische Umfeld für digitale Assets weltweit“ zu schaffen.
Genau deshalb dürfte der Druck auf den Kongress, den Clarity Act zu verabschieden, in den kommenden Wochen zunehmen. Das Gesetz würde nicht nur Zuständigkeitskonflikte zwischen SEC und CFTC lösen, sondern auch den rechtlichen Rahmen für Stablecoin-Emittenten erheblich klarer gestalten. Die Stablecoin-Debatte gewinnt damit direkt an regulatorischer Substanz.
Bedeutung für europäische Anleger und den globalen Kontext
Für deutschsprachige Anleger und Marktbeobachter ist die US-Entscheidung aus zwei Gründen relevant. Erstens schafft sie einen deutlichen Kontrast zum europäischen Ansatz: Die Europäische Zentralbank arbeitet weiterhin an einem digitalen Euro, und die BIS sowie der IWF treiben internationale CBDC-Standards aktiv voran. Ein US-Nein auf Bundesebene verändert die geopolitische Dynamik dieser Standardsetzung erheblich.
Zweitens dürfte die explizite US-Förderung privater Stablecoins den Wettbewerbsdruck auf den digitalen Euro erhöhen. Wenn US-regulierte Stablecoin-Emittenten in einem klaren Rechtsrahmen operieren, während der digitale Euro noch Jahre von der Einführung entfernt ist, entstehen strukturelle Ungleichgewichte im internationalen Zahlungsverkehr. Die regulatorischen Weichenstellungen der kommenden Monate werden zeigen, wie Europa auf diesen Kurs reagiert.
Ausblick: Vom Exekutivbefehl zum Bundesgesetz
Entscheidend wird nun sein, ob der No CBDC Act und der Clarity Act tatsächlich den Kongress passieren. Solange das CBDC-Verbot nur per Exekutivorder besteht, bleibt es theoretisch reversibel. Eine gesetzliche Verankerung würde die Haltung der USA strukturell festschreiben und den globalen Stablecoin-Markt langfristig zugunsten privater US-Emittenten formen.
Für Anleger bleibt die Richtung klar: Die USA setzen auf dezentrale, marktbasierte Lösungen für die Digitalisierung des Dollars. Ob das ausreicht, um die Dollar-Dominanz im digitalen Zeitalter zu sichern, dürfte eine der zentralen geldpolitischen Fragen der kommenden Jahre bleiben.
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Zuletzt aktualisiert am 29. Mai 2026



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