Was sind STOs – Übersicht und Vergleich mit IPOs

Security Token Offering – STO – immer häufiger fällt dieser Begriff im Krypto- und Blockchain-Bereich. Bestimmt bist du dem Thema auch schon begegnet.

Doch was genau ist ein Security Token Offering? Wie kann ein Security Token Offering durchgeführt werden? Und warum können STOs eine spannende Investment- und Anlageoption sein? Diese und weitere Fragen bekommst du in diesem Beitrag beantwortet.

Was ist ein Security Token Offering?

Ein Security Token Offering ist der öffentliche (oder womöglich private, geschlossene)  Verkauf von Security Tokens  zu einem vorbestimmten Preis innerhalb eines vordefinierten Zeitraumes.

Security Token sind eine besondere Form von Token (unterscheiden sich von Utility Token oder Payment Token wie Kryptowährungen), die mit bestimmten verbrieften Rechten, wie z.B. Bezugsrecht auf Dividendenzahlung, verbunden sind und einen Anteil an einem Vermögenswert repräsentieren.

Der Begriff des Security Token rührt daher, dass ein Security Token einem Wertpapier (engl. „security“) ähnelt, welches ebenfalls mit unterschiedlichen, verbrieften Rechten verbunden sein kann.

STOs haben Gemeinsamkeiten mit IPOs und ICOs – allerdings auch wesentliche Unterschiede:

STOs vs. IPOs

Eine gute Möglichkeit zu klären, was STOs sind und nicht sind, ist eine Gegenüberstellung mit:

  • der erstmaligen Aktienemission von Unternehmen (IPO) und
  • den 2017-2018 im Krypto-Bereich unglaublich gehypten Initial Coin Offerings (ICO).
Was ist ein Initial Public Offering?
Ein Initial Public Offering – IPO – bezeichnet die  erstmalige Aktienemission durch eine Aktiengesellschaft  an einer öffentlichen Börse. Organisiert durch eine Bank, welche dem Verkauf von Aktien verwaltet, können Aktionäre zum Ausgabepreis Aktien erwerben, die je nach gewählter Konzeption mit bestimmten Rechten, z.B. Stimmrechten bei der Jahreshauptversammlung, Recht zum Bezug einer Dividende oder mehr verbunden sein können.

Aktien lauten auf den Namen des Inhabers, der für den Kauf einen Identitätsnachweis erbringen muss.

Gemeinsamkeiten

  • Ein Security Token Offering hat einige Gemeinsamkeiten mit einem IPO. Bei beiden Formaten handelt es sich um Methoden der Finanzierung von Investitionsprojekten, die aber im Falle von STOs keine AGs sein müssen.
  • STOs und IPOs sind strenge rechtliche Anforderungen gemein, allen voran sind dies die Prospektpflicht (bei Finanzierungszielen über 8 Mio. €) sowie die erforderliche Genehmigung des Verkaufs durch die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.
  • Für den Verkauf von Security Token müssen sich Interessierten denselben KYC (Know-Your-Customer) und AML (Anti-Money-Laundering) Verfahren unterziehen, die zur eindeutigen Identitätsfeststellung des Käufers durch die EU-Richtlinie MiFID 2 vorgeschrieben ist. Bei STOs wie IPOs handelt es sich also um von staatlicher Seite genehmigte, rechtskonforme Finanzierungsprozesse, womit Unternehmen wie Investoren klare rechtliche Sicherheit geboten wird.

Unterschiede

  • Ein STO unterscheidet sich von einem IPO zunächst dadurch, dass ein Security Token Offering nicht von einer Bank organisiert wird. Stattdessen erfolgt die Emission von Security Token direkt über die Blockchain, weshalb ein digitaler Token übergeben wird – Wertpapiere mussten bisher hingegen stets in Papierform ausgehändigt werden und vorliegend sein. Weil die Bank als Mittelsmann eliminiert wird, können sich Token-emittierende Projekte hohe Gebühren sparen und ein größerer Teil des akquirierten Kapitals zur Projektfinanzierung genutzt werden.
  • Während im IPO ausgegebene Aktien an einer (oder mehreren) Börsen gelistet sind, können Security Token entweder von privat erwerbbar sein oder auf bestimmten, eigenen Börsen gehandelt werden.
  • Last but not least ist ein Unterschied zwischen STO und IPO, dass Security Tokens aktuell eine unglaubliche Vielfalt von Ausprägungen bei verbundenen Rechten und Pflichten haben, was auch daran liegt, dass Security Token ein Ausdruck von Eigentum ganz vielfältiger Vermögenswerte wie Grundstücke, Immobilien, Rohstoffe und anderem mehr sein kann.

Hier eine Auflistung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden:

GemeinsamkeitenUnterschiede
Formen der Projektfinanzierung; Gesetze für Wertpapiere anwendbarSecurity Token über Blockchain ausgegeben, Aktien durch Underwriting Bank
Müssen von Finanzaufsicht genehmigt werdenAbwicklungskosten bei STOs durch Blockchain-Ausgabe und Eliminieren von Mittelsmann viel günstiger
ProspektpflichtAkien bisher in Papierform, Security Token rein digital
STOs können vielfältigste Projekte finanzieren (z.B. Immobilien, Rohstoffe, Unternehmen), IPO immer für Aktiengesellschaft (AG)

STOs vs. ICOs

STOs und ICOs sind ebenfalls zu differenzieren. Wenn du dich schon länger mit Kryptowährungen beschäftigst hast du bestimmt von Initial Coin Offerings (ICOs) gehört. Diese Art der Projektfinanzierung durch die Ausgabe von Token startete erstmals 2013, wurde aber vor allem 2017 und Anfang 2018 von tausenden Krypto-Projekten durchgeführt.

Nachteile von ICOs

Gegen die Überweisung von BTC oder ETH an eine Wallet-Adresse konnte man eine Anzahl von Token an einem mehr oder weniger spannenden Krypto-Projekt erwerben. Es klang toll, leider gab es bei ICOs aber zwei große Schönheitsfehler.

  1. Leider waren die ICOs unreguliert, also gesetzlich nicht geregelt, weshalb mehr als 90% aller ICOs reiner Betrug waren. Es wurde keine Identifikation von Investoren durchgeführt, was ebenfalls problematisch ist.
  2. Dass zweite große Problem war, dass die Art von Token und die damit verbundenen Rechte und Funktionen weitgehend ungeklärt waren. Alle Projekte beteuerten bloß Utility Token zu verkaufen, die in ihrer Funktion ähnlich Gutscheinen eine vergünstigte Nutzung von Unternehmensleistungen ermöglichen. In Wahrheit verkauften die meisten aber Security Token – ähnliche Token, die mit einer Partizipation am Wertzuwachs des Unternehmens verbunden waren.
Die ICO-Blase ist Anfang 2018 geplatzt – Security Token Offerings versprechen die rechtskonforme, regulierte und seriöse Alternative zu werden, welche ebenfalls eine effiziente und günstige Projektfinanzierung ermöglicht.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

  • Was STOs und ICOs gemeinsam haben, ist die Ausgabe von Tokens über die Blockchain und damit verbundene Effizienzsteigerungen bei Transaktionen.
  • STOs sind – anders als ICOs – allerdings rechtlich reguliert und von der Bafin genehmigt. Es werden Security Token mit verbrieften Rechten verkauft, Käufer müssen sich durch KYC / AML Verfahren persönlich identifizieren.
  • Für STOs besteht eine Prospektpflicht – der Aufwand für einen Prospekt geht über typische ICO Whitepaper weit hinausgeht und bringt viel strengere Transparenz- und Informationserfordernisse mit sich.

Hier nochmals eine kürze Übersicht über Gemeinsamkeiten und Unterschiede:

GemeinsamkeitenUnterschiede
Ausgabe von Token über die Blockchain --> Effizienz-VorteilSTOs streng reguliert, verlässlich und von BaFin genehmigt
Übermittlung der Token an nur für Inhaber zugängliches WalletBei STOs Identifikation gemäß KYC/AML erforderlich
Eliminieren von MittelsmännernSTO = Ausgabe von Security Token, bei ICO werden Utility Token ausgegeben
Private Sale oder Crowdsale (öffentlich) möglich

Token-Klassifizierung: Security Token vs. Utility bzw. Payment Token

Bei einem Security Token Offering werden natürlich Security Token emittiert. Es ist wichtig Security Token von anderen Token-Arten wie Utility Token und Payment-Token zu unterscheiden. Auch wenn eine offizielle rechtliche Definition in Deutschland aktuell noch fehlt, lässt sich aus der Schweizer Token-Klassifizierung eine Einteilung von Token in 3 unterschiedliche Token-Arten ableiten:

  • Security Token: wenn ein Token einen Anteil an Vermögenswerten wie Unternehmen, oder Erträgen oder Anspruch auf Gewinnzahlungen repräsentiert, ist er rechtlich ähnlich Aktien und Wertpapieren zu behandeln. Geltende Vorschriften und Regelungen werden damit also auch auf Security Token angewandt.
  • Utility Token: Diese Token haben bloß einen Nutzwert auf der Plattform, von der sie ausgegeben wurden. Sie sollen den Zugang zur Nutzung einer digitalen Leistung bieten, z.B. Inanspruchnahme einer Dienstleistung auf einer Blockchain-basierten Plattform. Die meisten ICOs haben behauptet, diese Art von Token auszugeben.
  • Payment Token: Was die Schweizer FINMA als Payment Token bezeichnet entspricht dem Gedanken von Kryptowährungen – wenn ein Token reine Funktionalität als Zahlungsmittel hat, wird er als Payment Token klassifiziert.

Wie funktionieren Security Token Offerings?

Hier soll schrittweise der Ablauf von STOs beschrieben werden. Zunächst müssen wir uns allerdings näher mit dem Thema der Tokenisierung von Vermögenswerten befassen, sie stellt die Grundlage jedes STOs dar.

Tokenisierung von Vermögenswerten

Unter dem Prozess der Tokenisierung von Vermögenswerten versteht man die  Erstellung von digitalen Tokens  (mittels Blockchain), die einen Anteil am Eigentum eines Vermögenswertes abbilden. Dabei kann jeder beliebige Vermögenswert herangezogen werden, z.B. Unternehmen, Rohstoffe, Immobilien, etc.

Weil die Ausgabe von digitalen Token mittels Blockchain so günstig ist, können auch kleine Vermögenswerte in einzelne Anteile zerlegt werden, was auch als „fractional ownership“ bezeichnet wird. Damit können Kleinanleger neue Asset-Klassen entdecken und Projekte neue Investorengruppen ansprechen.

Bei der Tokenisierung eines Vermögenswertes wird eine Anzahl an Token bestimmt, anschließend wird in dementsprechend viele zu emittierende Token unterteilt.

Generischer Ablauf eines STOs – aus Anleger-Perspektive

Ein Security Token Offering läuft in der Regel wie folgt ab – aus der Sicht eines Interessenten bzw. Anlegers, der in einen STO investiert.

  1. Besuch der STO – Webseite und Registrierung für STO
  2. Durchlaufen von KYC / AML
  3. Einzahlung der Investitionssummer, Geld in SC hinterlegt
  4. Geld wartet in Smart Contract bis STO startet
  5. STO ausgeführt, Anzahl der erworbenen ST in der Wallet zugestellt
  6. Du erhältst Login-Daten für die Wallet mit eingetragenem Private / Public Key

 

Marvin Steinberg: Pionier bei Security Token Offerings

Der in Deutschland wahrscheinlich prominenteste Befürworter von STOs ist Serienunternehmer Marvin Steinberg. Unter anderem hat er das Blockchain-Unternehmen CPI Technologies, mit der sich unter anderem dem Thema STOs widmet.

  • Steinberg sieht die wichtigsten Vorteile von STOs in einer rechtlich konformen Möglichkeit zur Tokenisierung aller Arten von Vermögenswerten. Damit können Unternehmen Investoren aus aller Welt anziehen und vereinfacht Kapital akquirieren.
  • Auch kleinen Unternehmen stehen STOs offen, es kommt zu einer Demokratisierung von Projektinvestitionen, denn IPOs an Börsen waren aufgrund der Kosten stets großen Projekten bzw. Unternehmen vorbehalten.
  • Zudem ist Steinberg überzeugt, dass Security Token auch zu besseren Beziehungen zwischen Unternehmen und Investoren führen werden, vor allem durch besseren Investorenschutz.
  • Gegenüber IPOs seine STOs überlegen, weil sie innerhalb kürzester Zeit und zu bedeutend geringeren Kosten durchgeführt werden können, um ein globales Investorenpublikum anzusprechen.
  • Außerdem können mittels Blockchain und Smart Contracts strenge regulatorische Auflagen im Code festgehalten werden, regulatorische Kontrollen werden einfach möglich.
  • Für Anleger ist von Vorteil, dass sie ihre erworbenen Security Token bei Wunsch sofort wieder am Sekundärmarkt abstoßen können, die Liquidität gegenüber klassischen Wertpapieren ist viel höher.

Mit seinem Unternehmen CPI Technologies arbeitet er auch aktiv daran, die finanzielle Revolution, die STOs darstellen könnten, schneller zu realisieren. CPI Technologies unterstützt bei der Organisation von STO Crowdsales durch Beratungsleistungen, Vermarktung des STO und Geschäftsvermittler.

Limitationen – Was STOs (noch) nicht können

Bei aller Euphorie um die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten und Potentiale von STOs: nicht alles ist rosig, vieles ist noch verbesserungsfähig. Die wichtigste Limitationen, die STOs aktuell noch hat, ist, dass es noch keinen Standardprozess gibt, wie STOs durchgeführt werden können.

In Deutschland wurden erst eine Handvoll STOs durchgeführt, alle wurden durch manuelle, einzelne Genehmigung der BaFin freigegeben. Klarere, eigene rechtliche Bestimmungen für STOs sind wünschenswert.

Zudem ist der Prozess aktuell noch nicht benutzerfreundlich genug, um wirklich allen interessierten Anlegern einen einfachen Einstieg in STOs zu ermöglichen. Es sollten noch bessere, übersichtlichere Online-Lösungen für die Durchführung von STOs entwickelt werden. Die Handhabung von STO-Wallets ist nicht jedermanns Sache.

Fazit

STOs stellen eine  innovative, vielversprechende Art der Projektfinanzierung  dar, mit der auch kleineren Anlegern neue Klassen von Vermögenswerten zugänglich gemacht werden können. Emittenten von Security Token profitieren von geringeren Transaktionskosten, weil der Token-Verkauf direkt durch Ausgabe über die Blockchain erfolgen kann – teure Mittelsmänner wie Geschäftsbanken können entfallen.

Zahlreiche Experten wie der STO-Pionier Marvin Steinberg sind überzeugt, dass STOs und die Tokenisierung von Assets die Finanzbranche revolutionieren werden und eine vielversprechende Alternative zu IPOs werden könnten.

Bisherige STOs waren Einzelfallgenehmigungen der BaFin. Weitere Hindernisse, die es zu überwinden gilt, sind Usability der Teilnahme an einem STO und mangelnde Standardisierung der mit Security Token ausgestatteten Rechten.

Bereits jetzt bieten STOs Anlegern rechtliche Sicherheit und Transparenz. Damit sie eine breitere Adoption erfahren können, wird es allerdings einige Gesetzesakte und Richtlinien von Seiten der Finanzaufsichtsbehörden – ob auf nationaler oder EU-Ebene – geben müssen.

Zuletzt aktualisiert am 26. November 2020

Jeder Handel ist riskant. Keine Gewinngarantie. Jeglicher Inhalt unserer Webseite dient ausschließlich dem Zwecke der Information und stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Dies gilt sowohl für Assets, als auch für Produkte, Dienstleistungen und anderweitige Investments. Die Meinungen, welche auf dieser Seite kommuniziert werden, stellen keine Investment Beratung dar und unabhängiger finanzieller Rat sollte immer wenn möglich eingeholt werden.

Christoph Peterson

Christoph ist vor ein paar Jahren auf das Thema Kryptowährungen gestoßen und beschäftigt sich als Autor und Enthusiast seither intensiv mit den Themen Kryptowährungen, Blockchain und STOs.