Gericht verurteilt Gründer der stillgelegten Bitcoin Börse Mt.Gox

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Gericht verurteilt Gründer der stillgelegten BTC Börse Mt.Gox - Coincierge

Mark Karpeles, der Gründer der inzwischen nicht mehr existierenden Bitcoin-Börse Mt.Gox, wurde der Manipulation von Aufzeichnungen für schuldig befunden und erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, die er vermutlich nie antreten muss. Das Urteil fällt fünf Jahre nach dem massiven Sicherheitsverstoß von 2014 bei Mt.Gox, der für Bitcoin-Investoren zu Verlusten in Millionenhöhe führte.

Die Gerichte betrachten Karpeles als schuldig, im Zusammenhang mit Mt. Gox’ Bilanzen “illegal elektronische Aufzeichnungen erstellt zu haben” und verurteilten ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Der Veruntreuung und des schwerwiegenden Vertrauensbruchs wurde er für nicht schuldig befunden. Laut WSJ dürfte Karpeles um die Gefängnisstrafe herumkommen, wenn er in den nächsten vier Jahren “gutes Benehmen” an den Tag legt.

Die Geschichte von Mt.Gox

Zum Zeitpunkt des Hacks lagen die Verluste bei 850.000 Bitcoin im Wert von etwa 500 Millionen Dollar – bestehend aus 750.000 Bitcoin von Kunden und 100.000 eigenen Bitcoins. Zweihunderttausend Bitcoin wurden später von der Firma in einem alten Hot Wallet “gefunden”, wodurch die Zahl der insgesamt verlorenen Bitcoins wieder auf 650.000 sank.

Karpeles stand schon 2015 vor Gericht, allerdings nicht wegen des Diebstahls. Stattdessen wurde er angeklagt, über “mehrere Jahre” hinweg Handelsinformationen bei Mt.Gox gefälscht und drei Millionen Dollar Kundengelder, die eingezahlt wurden, unterschlagen zu haben.

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Wie die Japan Times berichtet, geriet Karpeles ins Visier, nachdem Staatsanwälte behaupteten, er habe das veruntreute Geld verwendet, um einen auffälligen Lebensstil zu finanzieren – einschließlich eine Wohnung für 11.000 $ pro Monat und regelmäßige Ausgaben für Überseereisen. Zusätzlich zu den persönlichen Ausgaben soll er ein High-End-3D-Druckunternehmen gegründet haben, was für die Zwecke von Mt.Gox als “unnötig” erachtet wurde.

Karpeles beteuert bis jetzt jedoch seine Unschuld und weist alle Anschuldigungen von sich. Das sagte er Reportern nach seinem letzten Prozess:

Die meisten Leute werden nicht glauben, was ich sage. Die einzige Lösung, die ich habe, ist, den wahren Täter zu finden.

Mt.Gox liquidiert regelmäßig seine Bitcoin-Bestände, um Kunden mit Fiat-Beträgen zu entschädigen, die dem Wert von 2014 angepasst sind. Allein im vergangenen Jahr verkaufte ein Börsentreuhänder über 230 Millionen Dollar in Tranchen, die aus Bitcoin und Bitcoin-Bargeld bestanden. Die Liquidation ist jedoch eher eine rechtliche Verpflichtung als ein Akt des guten Willens – die japanischen Gesetze schreiben vor, dass Gläubiger und Investoren entschädigt werden und schutzfähig sind.

Angreifer auf freiem Fuß

Auch Jahre nach dem Verbrechen sind die Hacker, die für den Diebstahl von Mt. Gox’ Bitcoin verantwortlich sind, unbekannt. Der Vorfall offenbarte jedoch erhebliche Lücken in der Funktionsweise der Kryptowährungsbörsen auf der ganzen Welt, sodass Regierungen anfingen, die entstehende Anlageklasse zu regulieren und legalisieren.

Im Jahr 2017 wurde Japan, wo Mt.Gox seinen Hauptsitz hatte, zur ersten großen Volkswirtschaft, die den Bitcoin-Handel legalisierte. Der Staat führte einen Krypto-Lizenzrahmen ein, der alle Plattformbetreiber verpflichtet, strenge Kriterien zu erfüllen und ebenso strenge KYC-Verfahren bei Kunden durchzuführen.

Karpeles’ Satz stößt in den sozialen Medien auf ein geteiltes Echo. Einige in der Gemeinschaft begrüßen es, dass er als führender Mitarbeiter von Mt.Gox „der Gerechtigkeit zugeführt wurde“, während andere Bedenken wegen seines salopp daher gesagten Satzes äußern, den er bezüglich der Auswirkungen auf Bitcoins’ Ökosystem getätigt hat. Unabhängig von der öffentlichen Meinung konnte sich Bitcoin von der Katastrophe erholen, und neue Börsen haben das Vakuum gefüllt, das Mt.Gox einst hinterlassen hat.

Bildnachweis: pixabay, CC0 Textnachweis: cryptoslate

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Mein Bruder hatte mich 2014 auf einen Artikel über Bitcoin aufmerksam gemacht. Wochenlange Überforderung und Recherche standen an der Tagesordnung. Nach einiger Zeit verstand ich den Umgang mit der Technologie und versuche seit dem Abschluss meines Studiums der Rechtswissenschaften, die Thematik leicht verständlich wiederzugeben.